Im Test: The Last Of Us

Im Test: The Last Of Us (Singleplayer)

Diese kehligen Geräusche! Gebückt schleiche ich mich um die Ecke, halte nach Feinden Ausschau. Still jetzt. kraklkklklklklk Ein einzelner Sonnenstrahl bricht durch das Loch in der Mauer und erhellt den Raum, der beinahe über und über mit Pflanzen zugewuchert, wenigstens so viel, dass man einigermaßen gut sehen kann. Dort hinten in der Ecke steht er. Schwankt. Klickert vor sich hin. Die arme mutierte Gestalt war mal ein Mensch, nun wachsen Pilze auf ihm. Grässlich, diese Fratze. Was soll ich tun? Er steht genau in der Nähe des Ausgangs. Zücke ich den Revolver? Nur noch 4 Schuss sind drin. Ob das reicht? Das Herz klopft. Ich versuch doch besser das Biest abzulenken und werfe eine Flasche ein paar Meter entfernt neben den Clicker, um ihn vom Ausgang wegzulocken.

Das Glas zerspringt und der Clicker kreischt auf, und wankt in Richtung der Schallquelle. Ist der Weg nun frei? Noch immer hat sich das Monster nicht beruhigt. Nur gut, dass es blind ist. So kann es mich nicht sehen, wie ich langsam Richtung Ziel schleiche.

Ein Schrei! Verdammt, den schnellen Runner hab ich total übersehen. Dummerweise hat der Clicker den Schrei mitbekommen und stürmt los. Jetzt heißt es Beine in die Hand nehmen. Nichts wie weg, so schnell es geht! Die Viecher sind so verdammt schnell und ich hab nicht genug Munition, für beide. Lauf, Joel. LAUF UM DEIN LEBEN!

Spiele dienen im Prinzip wie Filme zur Ablenkung vom alltäglichen Einerlei. Für ein paar Stunden möchte man ein wenig den Stress vergessen, um mitunter auch wieder einen freien Kopf zu bekommen. Meist will man sich nicht übermäßig mit einer stressigen Story plagen und zockt zum Beispiel einen Racer, Shooter, oder vielleicht auch nur ein Jump‘n‘Run.

Will man dann schon etwas tiefer in die Materie eintauchen, sucht man sich ein Adventure, oder ein RPG, mit tiefgreifender Story und optimalerweise auch einen Charakter, mit dem man sich in irgendeiner Form identifizieren kann. Wie auch immer die Wahl ausfällt: Die Unterhaltung steht im Vordergrund die sollte möglichst positive Reize auslösen, damit das limbische System, der Teil des Gehirns der quasi als „Belohnungssystem“ fungiert, genügend „Glückshormone“ ausschütten kann, um einen gewissen Entspannungsgrad zu erreichen.

Ganz selten gibt es aber Spiele, die einen Schritt weiter gehen. Der User wird selbst zum Spielball der Gefühle. Anders als in Filmen, wo man einen tragischen Part nur passiv miterlebt, erzeugen aktive Spielerlebnisse einen weit höheren Impact, da man mitunter eine gewisse „Verantwortung“ übernimmt, denn man möchte doch, dass die eigene Spielfigur möglichst unbeschadet das Ende erreicht. Doch das liegt nicht im Sinne des Spiels…

Ich habe bereits zwei Preview-Builds mit 3 verschiedenen Leveln aus dem Spiel antesten dürfen. Zwar wurden auch hier Teile der Story schon verraten, da sie aber mitten aus der Handlung gerissen wurden, gibt es zwar potentielle Spoiler, allerdings hat man absichtlich wiederum nur Ausschnitte gewählt, die so gut wie keine Plot-Details beinhalten und sich primär auf die Action, also das Gameplay, konzentrieren. Mit der Vollversion stehe ich nun wieder am Anfang und darf mich darauf freuen, was mich erwartet.

Das Problem bei dieser Review ist es, sie so gut wie möglich frei von Spoilern zu halten. Bisher wusste man, dass man sich in einem postapokalyptischen Szenario befindet, in dem ein überzüchteter „Killervirus“ , der aus einer Versuchsanstalt „entkommen“ ist, die Menschheit zu grässlichen, teils hyperaggressiven Zombies mutieren lässt.

Pure Spinnerei? Leider nicht.
Grundlage für „The Last Of Us“ ist ein tatsächlich existierender Pilz namens Cordyceps. Ziel dieser Lebensform ist es, sich möglichst effizient zu verbreiten. Die Vorgehensweise allerdings ist mehr als furchterregend, denn der Pilz befällt Tiere als Wirt, entwickelt sich darin und wächst langsam heran, während der Wirt lebendig von innen heraus „gefressen“ wird. Ein sofortiger Tod des Wirtstier ist natürlich nicht erwünscht und so wird das befallene Opfer „ferngesteuert“ um dann möglichst im Nest des Wirtes vollends auszubrechen, um eine möglichst hohe Infektionsrate zu erzielen. In der Regel gehören zu den Opfern Ameisen, aber auch größere Lebewesen wie Taranteln. Was aber, wenn der Pilz mutiert? Dies muss ja nicht auf natürliche Art und Weise geschehen. Man stelle sich eben einen militärischen Zwecken vor. Relativ günstig (da man auf Hightech Maschinen verzichten kann), lässt sich hiermit ein Katastrophe auslösen… wie eben in „The Last Of Us“.

Im Spiel befindet man sich nun 20 Jahre nach der Katastrophe. Die Natur hat große Teile der zivilisierten Welt wieder für sich beansprucht. Die Städte sind verwandeln sich so wieder in ein Habitat für Pflanzen aller Art. Die Gebäude indes welken vor sich hin und erzeugen schon allein durch ihr Erscheinungsbild eine gespenstische Atmosphäre.

Man schlüpft nun in die Rolle des Joels, der für Geld Geschäfte aller Art übernimmt. Hauptsache er kann sich über Wasser halten, denn die frühere moralische Ordnung ist faktisch nicht mehr Vorhanden. Die restliche, nicht infizierte Menschheit lebt zusammengepfercht in vielen abgeriegelten, vom Militär gesicherten Zonen. Nur mit Sondererlaubnis, darf man zwischen ihnen hin und her wechseln.

Schwarzmarkthändler und diverse herum wandelnde Banden allerdings finden wertvolle Gegenstände nur ausserhalb der gesicherten Zonen, doch dort lauert der Tod in Form von den besagten Zombies, die meist nie alleine auftreten. Das Verhalten der Mutanten ist mehr oder weniger berechenbar. Man kennt inzwischen das Verhalten der unterschiedlichen Zombieformen und weiß, wie man sich im zu verhalten hat (weglaufen!!!!111elf). Weit weniger kalkulierbar ist die Gefahr, die von anderen Menschen.

Man darf sich ja nicht mal sicher sein, ob nicht der eigene Partner selbst plötzlich zum gefährlichen Gegner wird und hinterhältig seinen Kumpanen niederschlägt, um sich dann alleine mit der Beute aus dem Staub zu machen.

Und selbst als Bewohnter innerhalb der „sicheren“ Begrenzungen ist das Leben kein Zuckerschlecken. Mal davon abgesehen, dass sich Mutanten auch in die Sicherheitszonen verirren können, ist man von Virenbefall möglicherweise auch nie sicher. Hier und da breiten sich üble Sporenwolken aus. Ohne Gasmaske wir man nicht lange überleben. Und ist man infiziert, darf man nicht hoffen, dass man mit einem Impfstoff geheilt wird. Im Gegenteil. Das Militär ist dazu aufgerufen, nicht lange zu fackeln: Es gilt befallene Körper ad hoc zu liquidieren! Wird man vom Militär ausserhalb der Sicherheitszonen geschnappt, hat ebenfalls das letzte Stündlein geschlagen.

Zurück zu Joel.
Dieser hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich, die dem Spieler natürlich auf dramatische Art und Weise präsentiert wird. Dramatisch ist dabei noch eher ein harmloses Wort. Nach „Heavy Rain“ gab es kein anderes Spiel mehr, dass mich so sehr bewegte, wie The Last of Us. Mit welcher Brutalität hier vorgegangen wird, ist schon einzigartig. Und dabei ist es nicht nur die gezeigte physische Gewalt, die ein ungutes Gefühl hinterlässt, sondern eher die drastische psychische Belastung, die der Spieler aushalten muss. Schon allein die ersten 15 Minuten sind ein schwerer Brocken! Es wird hier einem sofort klar gemacht: The Last Of Us ist weit mehr als ein Spiel! Es geht hier um moralische Vorstellungen, die von einem Tag auf den anderen verschwinden. Die Zivilisation gerät aus den Fugen, wenn das gesellschaftliche Gefüge nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Es geht ums nackte Überleben! Gefragt wird erst, nachdem geschossen wurde…

Auf der Suche nach einer verlorenen gegangen Waffenlieferung stoßen nun Joel und seine Partnerin Tess auf die Fireflys, eine Gruppierung, die eigentlich mehr oder weniger Gutes im Sinn hatte und die alte Ordnung wieder herstellen wollten. Sie hatten es satt, von der Regierung belogen zu werden. Die Leute verhungerten, da Nahrungsmittellieferungen ausfielen. Oder sie wurden gleich vom Militär platt gemacht, denn Tote können sich nicht infizieren.

Doch die Gruppierung hatte gegen die militärische Übermacht kaum eine Chance und wurde beinahe fast komplett ausgelöscht. Nur noch wenige haben überlebt. Darunter auch die Anführerin, die in Besitz der Waffenlieferung ist. Sie rückt allerdings die Wummen nur raus, wenn Joel und Tess für sie einen Auftrag übernehmen: Sie sollen ein kleines, 14 jähriges Mädchen in eine sichere Zone schmuggeln. Was hat es mit dem Mädchen auf sich? Warum spielt sie eine so sichere Rolle, dass wir für sie unser Leben riskieren?

Oh mein Gott, es ist so schön und doch so… traurig!
The Last Of Us baut auf Naughty Dogs umfassbar performante Engine auf, die auch schon im Laufe der Zeit in den Uncharted-Spielen zum Einsatz kam und von Mal zu Mal verbessert wurde. Die PS3 gehört nun bald zum „alten Eisen“, da die nächste Generation vor den Toren steht. Doch gerade jetzt entfaltet sie nochmals so richtig ihre Kraft und beweist, dass sie noch lange im Wohnzimmer verweilen darf. Nicht zuletzt liegt es eben an Naughty Dog, die mehr als nur ein paar Schräubchen gedreht haben, um auch das letzte Fitzelchen an Power aus der guten alten PS3 rauszuholen.

Klar, man fühlt sich irgendwie an Uncharted 3 erinnert: Die Fahrzeuge, die Art, wie Gebäude in der Landschaft dargestellt werden, die Landschaft freilich selbst. Aber was die Licht und Partikeleffekte angeht, so kann man nur staunen. Sonnenuntergänge haben noch nie so wunderbar ausgesehen… ausser natürlich, sie wurden vorgerendert. Das ist aber bei The Last Of Us nicht der Fall.

Spaziert man durch die Wälder und dreht auch die Lautsprecher auf, kommt die Natur förmlich ins Wohnzimmer. Sonnenstrahlen kämpfen sich durch das Dickicht, Glühwürmchen surren leuchtend durch die Gegend. Vereinzelt fließt ein Bach durch die Gegend und alles sieht so wunderschön aus.

Wunderschön, auf eine gewisse Art und Weise, sehen auch die Städte aus. Auch hier hat man was die Texturen angeht, nochmals einiges draufgelegt. Auch das ausstaffieren mit Gegenständen ist Naughty Dog mehr als gelungen. Nichts wirkt krampfhaft platziert. Es sieht so aus, als ob auch wirklich alles seinen Sinn hätte… als sei tatsächlich eine fürchterliche Katastrophe durchs Land gepflügt und hat kein Stein mehr auf den anderen gelassen.


Die Städte haben in den letzten 20 Jahren mehr als gelitten. Es gibt ja keinen mehr, der sich um den Erhalt kümmert und das merkt man auch. Zerstörte Scheiben, brüchige Wände, modriges Interieur und überall wo der Mensch früher alles rein gehalten hat, bahnt sich nun die Natur ihren Weg zurück und wuchert in allen Ritzen, lässt Fassaden zuwachsen, breitet sich aus, wo immer es geht.

Den finalen Touch erhält die optische Präsentation durch den „dreckigen Filter“, der wie Instagram einen Vintage-Look über alles legt. Man kann von der Augenweide komm genug bekommen, verliert sich beinahe auf der Suche nach Details, oder bei dem Anblick, wie Staub oder Pilzsporen durch die Luft wabern. Und immer wieder diese gigantischen Lichtspiele! Man selbst hat zwar noch nie eine postapokalyptische Welt erlebt, aber genau so stellt man sich eine vor!


Gewalt ist eben doch eine Lösung!
Neben dem Militär und den gesetzlosen „Huntern“ gibt es natürlich einen großen Feind, der in gleich mehreren Geschmacksrichtung auftauchen kann: Der Infizierte. Je nach Infizierungsgrad und Dauer der Infizierung, steigt das Gefahrenpotential.

Den Anfang macht der „Runner“:
Runner stellen die erste Form der „Mutation“ dar. Der Pilz greift zu allererst die Augen an, so ist das äußere Erscheinungsbild hier noch eher unangetastet. Ächzend stehen, oder wanken sie durch die Landschaft. Immer auf der Suche nach Nahrung. Ihr Name kommt nicht von ungefähr, denn haben sie ein Opfer entdeckt, rennen sie schreiend darauf zu! Allerdings sind sie schon mit wenig Kraftaufwand zu besiegen. Es scheint auch so, als ob die Hirnfunktion noch einigermaßen intakt ist, was bedeutet, dass der Infizierte noch mitbekommt, dass der Pilz die Kontrolle übernommen hat, sich dessen also „bewusst“ ist, aber sich dagegen nicht mehr wehren kann.

Stufe 2: Die Stalker
Stufe 2 der Infizierung tritt schon nach wenigen Tagen ein und kann sich bis zu einem Jahr hinziehen. Stalker sind schnell wie die Runner und schon beinahe so tödlich wie die nächste Infektionsstufe. Sie sind zudem aktiver als Runner, lauern ihren Opfern förmlich auf und haben schon alle menschlichen Instinkte verloren.

Stufe 3: Die Clicker
Mal abgesehen davon, dass Clicker blind wie ein Maulwurf sind, handelt es sich hierbei um beinahe den gefährlichsten Feind, den man begegnen kann. Sie „sehen“ mit ihren Ohren, in dem sie klickende Geräusche zur Schallortung aussenden… wie etwa Fledermäuse. Schon ein Biss ist tödlich und auf Grund ihrer stärkeren Mutation, die den Körper mit Piltplatten zuwuchern lässt, verkraften sie schon einiges an Blei. Vor ihnen wegzulaufen ist keine Schande. Es ist schon beinahe die beste Option, um vor ihnen zu entkommen.

Stufe 4: Bloater
Nach mehreren Jahren der Infektion, ist der Körper des Menschen nun völlig über und über mit Pilzen bewachsen. Bloater sind schwere und nicht so agile Feinde, können aber mit Sporentaschen um sich schmeißen. Natürlich haben sie eine schwere Panzerung und stecken enorm viel ein und sind äusserst schwer zu töten. Selbst Brandbomben können kaum schaden.

Die Finale Stufe: Sporenkadaver
Ist das Leben des Infizierten Menswchen beinahe zu Ende, sucht er sich ein passendes Plätchen, um endgültig zu Sterben. Der Körper ist nunmehr eine prall gefüllte Sporenschleuder, der nur darauf wartet, seine tödliche Ladung abgeben zu dürfen.

In The Last Of Us stehen einem eine Vielzahl an Waffen zur Verfügung. Diese reichen von einfachen Messern, bis hin zu großkalibrigen Waffen. Allerdings gibt es Munition nicht in Hülle und Fülle. Man sollte Schusswaffen nur dann einsetzen, wenn es keinen Ausweg mehr gibt. Was Hieb und Stichwaffen betrifft, so haben auch diese eine geringe Lebensdauer. Holzlatten zersplittern und Messer werden unbrauchbar. Hat man es nur mit einer überschaubaren Anzahl an Gegnern zu tun, schleicht man sich am besten leise von hinten an und bricht ihnen das Genick oder erwürgt sie. Dies hat vor allem den Vorteil, dass weitere Feinde nicht auf die Handlung aufmerksam gemacht werden. Gerade bei Clickern sollte man so vorsichtig wie möglich agieren, wenn sie sich in der Nähe von eher einfach zu besiegenden Feinden aufhalten.

Allerdings ist es möglich, dank in der Spielwelt verstreuten Bauteilen seine Waffen zu optimieren, ja sogar selbst herzustellen. Mit Scheren und Klebeband lässt sich ein Baseballschläger zu einer wunderbaren Nahkampfwaffe verwandeln. Aber auch Schusswaffen lassen sich aufrüsten. So lässt sich etwa die Nachladegeschwindigkeit extrem verbessern. Vorausgesetzt man hat genug Teile und findet ein ruhiges Plätzchen mit einer Werkbank.

Anders als in 0815-Shootern, darf man nicht darauf hoffen, dass sich die Lebensenergie von alleine regeneriert. Verbandskästen sollte man immer mit sich führen, oder zumindest sollte man jeden Winkel durchsuchen, ob sich nicht irgendwie Alkohol, Klebeband und ein Stück Stoff auftreiben lässt, womit man sich wenigstens halbwegs verarzten kann. Klebeband ist ohnehin dass Allzweckmittel und sollte stets im Rucksack vorrätig sein.

Neben Waffen lassen sich auch Joels Fähigkeiten hochleveln. Auch hierzu muss man entsprechende Items finden, um etwa die Reichweite des „Feindradars“ (in dem Modus kann Joel Geräusche wahrnehmen… Feinde werden dann anhand ihrer Schallquelle geortet) zu erweitern.

The Last Of Us hat jedenfalls die Art und Weise, wie ich ein Spiel zu spielen habe, total verändert. Es bringt nichts, blind durch Level zu laufen. Man könnte lebenswichtige Items übersehen. Man sollte sich also wirklich die Zeit nehmen, um auch jeden noch so kleinen Winkel nach brauchbaren Gütern abzusuchen. Klar wird so das Spiel etwas zäh, aber man muss sich stets daran erinnern, dass das Leben davon abhängt! Mal davon abgesehen, können überall widerliche Feinde lauern, denen man wehrlos in die Arme läuft.

Joel und Ellie. Ein Paar der besonderen Art.
Der alte Joel hat nach all den Jahren sämtliche moralische Bedenken über Board geworfen und denkt in erster Linie an sein Fortkommen. Wohl auch wegen seiner bewegten Vergangenheit. Ellie ist in seinen Augen eine Gefahrenquelle. Er hat Angst, dass er auf Grund eines Fehlers sein Leben verlieren könnte. Wohlgemerkt sein Leben, nicht das der kleinen Ellie. Doch im Laufe der Zeit, wird Joel bewusst, dass es sich bei Ellie nicht nur um ein kleines, dummes Gör handelt.

Auf der anderen Seite stellt Ellie eine gewisse, personifizierte Unschuld dar. Sie hat keine Vorstellung davon, wie die Welt vor dem Virusausbruch ausgesehen hat und ist von allem was sie sie fasziniert. Sie strahlt eine Unbekümmertheit aus, die ein wenig seltsam anmutet. Überall gibt es Leid und der Tot lauert hinter jeder Ecke. Die psychische Belastung, die sie ertragen muss, ist wohl kaum vorstellbar und doch versucht sie das Beste aus der Situation zu machen. Auch in der dunkelsten Situation findet sie noch Zeit für ihre Kindheit, so schräg es auch klingen mag. Sie geht zwar mit ihren Gepfeife, beziehungsweise mit dem Versuch, das Pfeifen überhaupt zu erlernen, Joel tierisch auf den Keks, aber man muss sie einfach lieb haben.

Motion Capturing der Extraklasse
Falls ihr Uncharted 3 schon überragend fandet, dann wartet mal ab, bis ihr The Last Of Us in Aktion gesehen habt. Die Mimik der Charaktere und all ihre Bewegungen wurden so unwahrscheinlich Lebensecht eingefangen, dass man nicht den Eindruck hat, dass es sich hierbei um ein Spiel handelt. Vor allem dann, wenn es Nahaufnahmen der Gesichter gibt! Man sieht den „Schauspielern“ ihr Leid und ihre Ängste wirklich an. Dies überträgt sich auch auf den Spieler. Unweigerlich leidet man mit ihnen mit, oder freut sich, wenn unsere Darsteller einen Funken Hoffnung verspüren.

Ohrenschmaus
Bisher hatte ich nur mit der englischen Synchro gespielt, aber auch die deutsche Fassung kann sich hören lassen. Joel klingt vielleicht nicht ganz so rau, aber die Stimme passt. Alle anderen „Schauspieler“ wurden vortrefflich nachvertont. Leider gehen in der deutschen Version einige englische Sprachwitze verloren, aber man hat sich bei der Übersetzung wirklich ins Zeug gelegt, um diesen Verlust gut auszugleichen.

Die musikalische Untermalung ist einfach großartig und es lohnt sich auf alle Fälle, sich auch mal den Soundtrack genauer anzuhören, der einzeln verfügbar ist. Die jeweiligen Stimmungen werden atmosphärisch schön vertont und man bekommt Gänsehaut, wenn man sich komplett dem Spiel hingibt.

Absolut hervorragend sind natürlich die Soundeffekte. Entweder spielt man mit guten Kopfhörern, oder mit einer gut abgestimmen Anlage, mit etwas mehr als Zimmerlautstärke. Die Effekte dienen natürlich dem atmosphärischen Gesamtbild. Die erwähnten Klick-Geräusche gehen einem durch Mark und Bein. Es ist immer wieder faszinierend, dass man ohne etwas überhaupt zu sehen und nur allein mit Tönen eine so unheimlich packende Situation erstellen kann. In Filmen kennt man das ja, in Videospielen ist dieses Thema leider Mangelware.

Fazit?
Ich weiß nicht so wirklich, ob ich mit dieser Review dem Spiel gerecht werde. Einige Dinge hab ich nicht angesprochen, wie etwa das Gameplay selbst. Doch wer Uncharted kennt, wird sich auch in The Last Of Us schnell zu recht finden.

Einige Dinge hab ich auch in den beiden Previews schon erwähnt und möchte nicht Gefahr laufen, mich zu wiederholen, was sich vermutlich aber nicht vermeiden lässt.

Hier möchte ich eigentlich mit Nachdruck klar machen, dass The Last Of Us nicht nur irgendein Videospiel ist. Es ist ein packender Psychothriller, ein Actionspiel und auch irgendwie eine Warnung vor dem Verlust jeglicher moralischer Grundsätze. Also Dinge, wie ganz oben im Text erwähnt, die man eigentlich nicht unbedingt von einem „Spiel“ erwartet.

Auch ist The Last Of Us ziemlich brutal. Nahkämpfe sind nicht nur blutig, sondern auch sehr „deutlich“ in ihrer Darstellung. Gesichter, die an harten Kanten zerquetscht werden? Bei Joel normal, doch ich musste schon einige Male schlucken und ehrlich? Man gewöhnt sich nicht daran. Man muss schon sehr hart im Nehmen sein, um da nicht zusammen zu zucken.

Des weiteren ist die Story einzigartig und man sollte sie von Anfang bis zum Ende wirklich genießen. Wer hier nicht Pipi in den Augen bekommt, dem ist echt nicht zu helfen. Wer das gespielte Intro ohne Nachzudenken über sich ergehen lässt und nicht mit einem:“WTF hab ich da gerade erlebt“ minutenlang mit offenem Mund da sitzt und über sich und das Leben seine Gedanken macht, der scheint schon ziemlich abgestumpft zu sein. The Last Of Us ist eine Perle, die man haben muss, Die Spielerfahrung ist unwahrscheinlich intensiv.

Auch wenn man die Story durch hat, muss man wohl ein zweites Mal spielen. The Last Of Us macht süchtig. Süchtig nach der visuellen Präsentation. Süchtig, was die psychische Erfahrung angeht. In jeder Hinsicht ist The Last Of Us ein Meisterwerk, das Seinesgleichen sucht. Ein optimaler Titel, der gerade zum Ende der PS3 erscheint und uns noch lange in Erinnerung bleiben wird und uns hoffen lässt, dass uns so etwas nie widerfahren wird, was Joel und Ellie ertragen müssen!

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