Im Test: PES 2015

Für viele ist ja PES ohnehin der König eder Fussi-Simulationen. Das Einzige, was dem Spiel aus dem fernen Japan fehlt, sind vernünftige Lizenzen. Die liegen leider bei der Konkurrenz. Dennoch: Scheren wir uns nicht über fehlende Lizenzen, sondern freuen uns über eine wunderbare Simulation, mit enorm guter Ballphysik und vor allem: Die FOX Engine. Mit dem Grafik Powerhouse soll PES 2015 schöner als nie zuvor werden. Extrem gut modellierte Gesichter und Spieleranimationen und besonders grünes Gras! Was soll schon schief gehen?

Bei mir ist es jedes Jahr so, dass ich es immer noch nicht verinnerlicht hab, dass PES im Prinzip „aus der Verpackung heraus“ keine automatische Speicherung aktiviert. Das muss nachträglich erstmal selbst aktiviert werden… pro Spielmodus. Besonders ärgerlich ist das dann, wenn man im „Werde zur Legende“-Modus enorm viel Zeit für die Erstellung eines Vokuhila-Spielers aus den guten alten Zeiten, als noch Fußball wirklich Fußball war, erstellt hat, einen Sonntag-Nachmittag spielt, am Abend PES beendet (Benutzerfehler!) und am nächsten Tag von vorne beginnen muss. Weg die schönen Erfolge und das Vertrauen beim Trainer. ICH WAR SO GUT! Naja… PES kann nichts dafür. Ich nehme die Schuld auf mich. Schande über mich!

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It’s up to you, Hansi!
Rein technisch gesehen, hat PES 2015 einen großen Lupfer nach vorne gemacht. Seht man sich die Spieleranimationen auf dem Rasen an, so kann man wirklich von „glaubwürdiger“ Animation sprechen. Glaubwürdig in dem Sinn, dass sich die Animationen je nach Spieler, die ja alle unterschiedlich sind, von ihrer Statur etc., auch tatsächlich unterschiedlich „anfühlen“. Es macht also diesmal wirklich einen Unterschied, ob man gerade mit einem wenigen Spieler das Leder über das Gras dribbelt, oder ob man es mit einem guten Läufer zu tun hat. Richtungswechsel werden nun auch direkter umgesetzt und Duelle mit dem Gegenspieler sehen nun auch wie echte Duelle aus.

Flanken und Pässe funktionieren richtig gut und mit einer gewissen Portion Timing kommen die im Prinzip auch immer an und resultieren meist in einem Tor. Dies liegt aber häufig auch daran, dass die KI doch eher zaghaft in den Zweikampf geht. Klar versuchen sie schlechte Pässe ganz schnell für sich zu gewinnen, aber stürmt man mal auf’s Tor zu, ist es beinahe so, als ob man unaufhaltsam ist. Das gilt auch, was das abluchsen des Balls selbst betrifft.

Während man als Spieler dem KI-Gegner mit ein wenig Hartnäckigkeit das runde Dings (auch in einem schwierigeren Level) eigentlich immer abnehmen kann, wuselt die KI eher beim Sturm aufs Tor um einem rum und sehen dann beinahe in Seelenruhe zu, wie man die Pille im Tor versenkt. Bei längeren Pass-Pingpong-Spielen (und besonders bei Rückpassen), ist die KI sogar ziemlich lauffaul. Sie sparen vermutlich für ihren Angriff. Man muss ihnen aber zu Gute halten, dass sie den Platz ziemlich gut ausnutzen und auch wirklich jeden Fehler den man macht, als Chance sehen.

Die alte Taktik, im gegnerischen Strafraum für etwas Chaos zu sorgen, funktioniert leider nicht mehr ganz so optimal. Der Torwart denkt mehr mit und läuft nicht mehr „unkontrolliert“ herum.

Rein technisch gesehen macht PES 2015 also richtig Spaß, da man das Gefühl hat, sein Tor auch wirklich erarbeitet zu haben, auch wenn es die Kommentatoren nicht immer so sehen. Mal ernsthaft: Wenn unsere Lieblingssprecher™ schon ihr Phrasendrescherbuch auspacken, dann sollten sie doch wenigstens mal besser auf das Spielgeschehen achten. Und beim drölften „It’s up to you, Hansi!“, kommen dann doch langsam archaische Gefühle in einem hoch.

Unknown

Mehr Entertainment kann man als gewöhnlicher Kassenpatient nicht verlangen!
Also rein von der Präsentation gibt es wirklich nichts zu meckern. In den Stadien kommt unter den Zuschauern (gerade beim Einlauf der Spieler) richtig Stimmung auf. Spielt man in der Südamerikanischen Liga gibt’s neben Konfettiregen sogar ordentliche Bengalos-Aktionen. Die Zuschauer sehen zwar auf Grund des undurchdringlichen Nebels nichts mehr, sieht aber schon ziemlich gut aus! Auch der Aufmarsch der Spieler selbst wird sehr gut inszeniert und die Köpfe sehen in PES 2015 deutlich weniger nach Wachsfiguren aus, als noch beim Vorgänger. Die Kamerafahrten erzeugen fernsehtaugliche Dynamiken, aber während des Spiels wünschte man sich mehr von den Emotionen aus den Zuschauerrängen mitzubekommen, obwohl man mitunter schon deutliche Pfeifkonzerte hört, wenn der Schiri mal wieder nicht pfeift, wenn ich den Gegner mal wieder etwas unfair angefasst hab, wobei: Der Unparteiische in PES’15 deutlich aktiver ist und auch schneller gelbe Karten verteil… gefühlsmäßig.

Etwas komisch sieht es aber dann doch aus, wenn man sich die Wiederholungen, die stets nach einem Tor durchgeblickt werden möchten, genauer unter die Lupe nimmt. Wieso fangen die Oberschenkel eigentlich direkt unterhalb der kurzen Hose an?

Auch der Rasen darf diesmal dran glauben. Man merkt ihm direkt an, wie sehr er bei harten Partien im Regen immer mehr an Grün verliert und an braunen Stellen gewinnt.

Fussballtabellenkalkulationen
Für ale, die nicht nur selbst den Ball über den Rasen treten wollen, dürfen auch in PES 2015 abermals die Tiefen des Meisterliga-Modus erforschen. Ich war nie wirklich ein Fan dieser Manager-Spiele und ich frag mich doch hin und wieder bei einer Tasse Kaffee, warum man absichtlich freiwillig den Spaß eines Fussballspiels in einen Karton packt und diesen wiederum in das dunkelste Eck im Keller verstaut. Man klickt sich von Verhandlungstermin zu Verhandlungstermin. Wechselt seine Spieler und all das ist imho so unterhaltsam wie eine Steuererklärung, wobei ich hier den „Spaß“, den die Fans damit haben, nicht vermiesen möchte. Aber vielleicht kann man diesen Modus etwas ansprechender gestalten?

Um dann doch mal was Neues in der Richtung zu bringen, hat sich Konami den „myClub“ einfallen lassen. Das ist dann schon etwas greifbarer, wenn man zum Beispiel an das gute alte analoge Sammelkartenspiel denkt. Weil das Sammeln ein wenig „Glück“ benötigt, können wir hierzu diverse Agenten einstellen, was die Chance auf gute Kicker erhöht. Kostenlos ist das allerdings nicht, denn bei diesen Aktionen gehen schon mal ein paar der hart verdienten Game Points verloren (man erhält sie zB durch das Gewinnen von Spielen, oder sonstigen „Aufgaben“ während der Turniere).

Konami hat aber ein Herz für talentfreie Menschen und hat eine Lösung parat. Wer nicht unbedingt viel Zeit damit verschwenden möchte, die inGame Währung selbst zu verdienen, kann auch sein echtes Geld dagegen eintausche. Pflicht ist das nicht und man kommt auch gut aus, ohne je wirklich einen Cent für das Spiel auszugeben, doch so wirklich richtig fühlt sich dies nicht an.

PES 2015 myClub squad menu

Fazit:

Generell empfinde ich PES als Solches immer noch die beste Fussi-Simulation. Die Spiele wirken von Jahr zu Jahr lebendiger und die Physik, die PES zu Grunde liegt, ergibt ein wirklich hübsch geschnürtes Gesamtpaket. Hier und da gibt’s ein paar Ruckelt im Spiel und auch der Onlinemodus war bisher auch nie wirklich die Stärke des Entwicklerteams und fühlt sich manchmal so an wie ein Tritt ans Schienbein, aber wenn es um das gute Gefühl geht, das ein solches Sportspiel vermitteln soll, dann führt wohl nichts an PES 2015 vorbei.

Ich geh indes mal Knebel für Hansi Küpper und Wolff-Christoph Fuss suchen…

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