Im Test: Surgeon Simulator Anniversary Edition

Mit besonders viel Feingefühl, nähere ich mich mit der kleinen Handkreissäge dem Patienten. Meine Handkoordination ist heute irgendwie nicht so präzise. Es fühlt sich beinahe so an, als ob gestern Abend wohl doch zu viel Tequila in meinem Sunrise war, aber egal, das Herz muss transplantiert werden, komme was wolle. Behutsam schleudere ich die Säge durch den Raum und verpasse nur ganz knapp die Nase meines Opfers..öh… Patienten. Das schöne Werkzeug. Weg. Also greife ich nun zum handlichen Hammer, um den Brustkorb gefühlvoll zu zerbröseln. Gleich unter dem Lungenflügel, den ich besonders zärtlich aus dem Körper angele, um ihn dann nur wenige Augenblicke später irgendwo im OP verliere, befindet sich das altersschwache Herz. Da ich mit de Skalpell nicht so gute Erfahrung sammeln konnte (der letzte Patient verblutete urplötzlich), nehm ich nun die kleine Schere. Geschickt, wie en Elefant mit zwei linken Händen, schneide ich die Arterien durch, entnehme das alte Herz und versenke binnen Sekunden das neue Spenderherz im Körper, mit einem gekonnten 3 Punkte Wurf. Operation gelungen. Patient? Hat vermutlich überlebt…

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Den Surgeon Simulator tatsächlich als Simulator zu bezeichnen, würde in etwa so weit gehen, wie zu behaupten, dass Windows ein brauchbares Betriebssystem ist. Der Ansatz ist da, die Umsetzung allerdings katastrophal, wobei allerdings der Surgeon Simulator auch nicht wirklich den Anspruch erhebt, eine „ernste“ Simulation zu sein.

Im Grunde geht es zwar schon darum, die Patienten möglichst soweit zu öffnen, dass sie nicht in den ersten paar Minuten verbluten (was allerdings enorm schnell passieren kann, wenn einem mal wieder das Skalpell auskommt). Nachdem man dann alle störenden Elemente entfernt hat, kommt es zum Austausch des defekten Organs (Hirn, Auge, Herz). Man muss nichts vernähen, hauptsache die Richtung und der Platz stimmt in etwa. Ist das Organ am rechten Ort, hat man die OP überstanden und überlässt den Patienten seinem Schicksal.

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Das klingt jetzt auch wiederum leichter, als es am Ende ist, denn die Hand des Chirurgen wird nicht etwa präzise mit den Analogsticks des Controllers gesteuert, sondern mit den Bewegungssensoren des Eingabegeräts: Vor, zurück, links, rechts und eben auch die Drehungen der Hand um ihre Achse. Im Prinzip also in etwa genauso bescheuert, wie die Steuerung in Octodad.

Und wäre dies nicht schon kompliziert genug, kommt erschwerend hinzu, dass die „Physik“ beinahe unspielbar ist. Möchte man nach einem „Werkzeug“ greifen, bedarf es eine gewisse Portion Geduld, Geschick und Glück, es auch dort zu packen, wo es auch „sinnvoll“ wäre… also am Griff. Wie oft hab ich mich zum Beispiel selbst an der Narkose-Spritze gestochen? Eine OP im Farbrausch und verschwommenen Blicken durchzuführen, ist für den Patienten nicht immer eine angenehme Sache. Egal ob Säge, Skalpell, oder sonstiges OP-Besteck: Irgendwie klebt alles eher unbeholfen an der Handfläche fest und man mus schon enorm rudern, damit man das Werkzeug auch einigermaßen „wirksam“ und „sinnvoll“ einsetzen kann (manchmal fliegen die Dinger auch ganz gerne mal im hohen Bogen durch die Luft).

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Hat man aber den Dreh raus, macht der Surgeon Simulator unheimlich viel Spaß! Es packt einem förmlich der Ehrgeiz. Wie schnell kann ich eine Augen-OP durchführen? Ohne viel Blutverlust freillich.

Wer fleissig und vor allem erfolgreich ist, darf nicht nur im OP Saal mit scharfen Gegenständen um sich werfen, sondern auch mal im Krankenwagen, oder im Weltall. Hier vernünftig zu schlachten, grenzt beinahe schon an ein Ding der Unmöglichkeit. Aber in der Ruhe liegt die Kraft, nur doof, dass der Patient schneller verbluten kann, als man sein Skalpell wieder aus dem Bauchraum herausgefischt hat.

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Fazit:
Nun, ob man nun knapp 15 Öcken für den Titel berappen mag, oder nicht, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Kostengünstiger ist natürlich die PC Version. Man muss schon ein Hardcore Fan sein, um längere Zeit mit dem Titel glücklich zu werden, auf der anderen Seite hat man damit natürlich einen Spaß für die ganze Familie (oder in einer geselligen RUnde unter Freunden). Was die PS4 Version hier natürlich der PC Version im Vorteil hat? Der Multiplayer Modus: Zwei Hände, zwei Controller, doppelt so großes Blutbad!

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