Im Test: Octodad Dadliest Catch

Mensch sein ist nicht gerade einfach. Besonders dann, wenn man nicht mal zur Gattung des Homo Sapiens gehört. Das muss unser Held Octodad leidlich am eigenen Körper erfahren. Zwar gibt es sein bestmögliches, um den großen Familienvater zu mimen, was allerdings nicht gerade einfach ist, wenn man ein Tintenfisch ist. Alltägliche Dinge, wie etwa Einkaufen, stellen beinahe unüberwindbare Hürden dar, die es zu bewältigen gilt. Schier kontrollierbar wackeln Arme und Beine durch die Gegend, was wohl vermutlich auch daran liegen kann, dass das natürliche Habitat von Octodad eher unter der Wasseroberfläche ist und ein fehlendes Skelett auf der Erdoberfläche mehr als unpraktisch ist. Und wäre das nicht schlimm genug, lauert hinter jeder Ecke noch der fiese Erzfeind unseres schwabbelnden Kopffüsslers: Der Koch!

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*burrrblubbelbruubbl!
Wenn man das erste Mal Octodad spielt, wird man vermutlich an seinen Gamerfähigkeiten verzweifeln. Es ist beinahe unmöglich, die Spielfigur durch die Level zu steuern, ohne ein Chaos zu hinterlassen, denn die Steuerung unterscheidet sich so brachial von allen bisher da gewesenen Spielen (ausser vielleicht QWOP), dass man schon bei den einfachsten Aufgaben Schwierigkeiten hat, diese zu Erfüllen. Die Logik des üblichen, menschlichen Bewegungsablaufs wird über Board geworfen: Du bist ein TINTENFISCH! DENK also wie ein TINTENFISCH und dann denk darüber nach, wie sich ein Tintenfisch menschliche Bewegungen vorstellt.

Das fängt schon beim Gehen an. Die Beine lassen sich individuell bewegen. In alle Windrichtungen. Getrennt von einander. Hat man sich mit den Analogsticks für eine etwaige Richtung entschieden, krallt man sich mit der Schultertaste des einen Beins auf dem Biden fest, und führt dann die Folgebewegung des zweiten Gehapparats durch. Das mag jetzt viellicht ein wenig trivial klingen, denn im Prinzip heißt es „linken Fuß anheben, in die gewünschte Richtung bringen, absetzen, Vorgang mit dem rechten Bein wiederholen“, aber macht das mal, wenn man nicht genau weiß, wo das Beinchen stoppt, vielleicht wieder irgendwo hängen bleibt, oder unser Octodad mal wieder in sich zusammenfällt und am liebsten über den Boden robben möchte.

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Das gleiche gilt auch für die Armbewegungen. Dinge zu greifen, wenn der Arm mal wieder wie wild durch die Gegend zuckt, kann unter umständen zum Glücksfall werden. Haarig wird es, wenn man im Prinzip einfache Aufgaben, wie etwa einen Hut aufsetzen durchführt. So einfach ist das nicht wirklich, denn bevor man Bananarama gesagt hat, hat man im Nu die gesamte Wohnzimmereinrichtung durcheinander gewirbelt, anstatt den Hut dort zu platzieren, wo er eigentlich hingehört.

Was ein wenig beim Spielen gestört hat, war die teilweise ungünstig platziere Kameraperspektive, die sich leider nicht anpassen lässt. Ganze gerne bleibt verfängt man sich irgendwo in der Kulisse und hat dann aller Hand (oder Tentakel) zu tun, um sich aus der Misere wieder zu befreien. Denn die Dinge sind an sich schon kompliziert genug und werden dadurch teilweise unfair erschwert, was vor allem bei den „Endgegnersequenzen“ so schön ist, wie ein Tritt in den Unterleib. Hätte das Spiel nicht einen gewissen Suchtfaktor, hätte ich des öfteren die Lust verspürt, herzhaft in den Controller zu beißen. Aber nach einer kurzen Verschnaufpause und ein paar Fingerlockerungsübungen, greift man wieder zum Spielgerät und macht munter weiter.

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Metal Gear Tinenfisch
Wie schon Eingangs erwähnt, ist Octodad in etwa mit einem „Menschsimulator“ zu vergleichen. Oberstes Ziel ist es, sich stets so „normal“ wie möglich zu verhalten, denn überall richten die Mitmenschen ihre Augen auf den Helden des Spiels. Signalisiert wird dies durch gestrichelte Linien, die fortwährend auf Octodad zeigen. Jetzt sollte man bloß nicht ins schwitzen geraten…

…denn benimmt man sich zu unmenschlich, hat man versagt und beginnt von vorne. Netterweise haben die Entwickler auch allerlei Kram in den Weg gestellt, um einen das Leben so schwer wie möglich zu machen. Das fängt bei Bananenschalen an, über die man gerne hinwegrauscht und endet bei ungünstig platzierten Alltagsgegenständen, die sich als fiese Fangarmfalle tarnen. Slapstickeinlagen stehen so an der Tagesordnung und das daraus resultierende Chaos ist unabwendbar.

Prinzipiell fallen aber die Schleicheinlagen nicht so schwer aus, wie etwa bei Metal Gear Solid. Bewegt man sich einigermaßen getarnt hinter Objekten hinweg, sollte dem „Abenteuer Mensch“ nichts im Wege stehen.

Fazit:
Ocotodad kann man in einem Ruck in gut 2 Stunden durchspielen. Wie lange man dran bleibt, hängt vom eigenen Schmerzempfinden ab. Doch auch wenn man sich des öfteren kreischend unter der Decke verkriechen möchte und bittere Tränen der Verzweiflung weint, so bietet Octodad euch unheimlich viel Spaß. Darüber hinaus ist es einfach rührend zu sehen, wie sich der arme Molluske bemüht, seine Familie wo es geht zu unterstützen und den Weltbesten Vater der Welt zu spielen. Ich frag mich zwar immer noch, wie die 2 herzlichen, hyperaktiven Kinder in dieser seltsamen Ehe entstanden sind, aber vielleicht sollte man nicht zwingend über alle Dinge Bescheid wissen.

Octodad: Dadliest Catch ist auf alle Fälle der verrückteste Titel, den es derzeit für sie PS4 gibt. Noch verrückter wird der Spaß, wenn man den Titel im Koop-Modus spielt. 4 Spieler dürfen dann je eine Extremität steuern. Was alleine schon teilweise furchtbar schwierig sein kann, ist mit vier individuell agierenden Hirnen das denkbar bescheuertste, was man sich vorstellen kann. Partyspaß ist allerdings garantiert.

Wer auf abgefahrene Indie-Titel mit tragisch-komischer Story steht und Nerven aus Gummi hat, sollte sich Octodad unbedingt holen!

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