Gran Turismo 6

Auf der einen Seite mag es sich vielleicht komisch anfühlen, wenn kurz nach dem Launch der PS4 DER Rennsimulator schlechthin noch für die PS3 veröffentlicht wird, zudem der Erscheinungstermin von Driveclub, der Launch-Racer der neuen Konsolengeneration, nach hinten verschoben wurde. Auf der anderen Seite hat man auf der PS3 noch eine höhere Käuferschicht, die man bedienen kann, was so gesehen für Sony und Polyphony wiederum eindeutig mehr Sinn macht. So bootet man also seine PS3, die wohl noch lange nicht zum alten Eisen gehört, stöpselt das Lenkrad an und schaut nach, was das neue GT6 so unter der Haube hat.

Gleich nach dem Intro (bzw nach dem Tutorial) landet man im neu gestalteten Menü und das ist schon mal ein ein erstes Aha-Erlebnis, denn das User Interface in Gran Turismo 5 war überladen und unschön strukturiert. Dazu kamen noch die nervigen Ladezeiten. In GT6 wirkt nun alles aufgeräumter und augenschmeichelnder und man konnte sogar das Warten auf ein Minimum reduzieren.

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Alles beim Alten?
Einige Dinge ändern sich wohl nie: Die CSU Regentschaft in Bayern und die zeitaufwendigen Lizenztest in Gran Turismo. Manch einer mag sich vielleicht gedacht haben, dass man zum Vorgänger aufbaut und eigentlich hier schon bewiesen hat, dass man sein Fahrzeug um die Kurse problemlos manövrieren kann, doch… weit gefehlt. Natürlich muss fängt man wieder ganz bei Null an. Man klemmt sich also mit seinen paar Start-Groschen den billigsten Schlitten, den man beim Autohändler kaufen kann und startet das erste Rennen. Eines von vielen… sehr vielen, möchte man sich Upgrades für seine Rennsemmel kaufen, oder … gar einen neuen Kleinwegen, mit einem Hauch mehr Leistungspunkten. Das Ding ist nur, dass man in der Regel nicht all zu viele Credits verdient, selbst wenn man den ersten Platz macht. Will man also wirklich seinen Wagen mit den verschiedenen Tuningmöglichkeiten aufbrezeln, heißt es grinden, grinden grinden. Oder…

…oder man lässt das grinsen einfach sein und kauft sich seine neue Karosse beim Händler gegen Geld. Echtes Geld freilich. Es ist natürlich eine Frage des Geldbeutels und der eigenen Gamer-Ehre, ob man nun diesen Microtransaktionen-Firlefanz mitmacht. Man muss sich schon fragen, warum man für ein virtuelles Fahrzeug nochmals mehr als das Doppelte des Spielpreises hinblättern soll. Zugegeben: Man MUSS nicht sein hart verdientes (echtes) Geld ausgeben, um in GT6 voran zu kommen. Mal davon abgesehen, sind einige Fahrzeuge, die man sich teuer kaufen kann, ohnehin nicht immer für die Events zugelassen, bei denen man sich vielleicht einen Vorteil erhofft… wohlgemerkt all jene Events, bei denen man eine LKW-Ladung voll Credits gewinnen kann. Gran Turismo 6 springt einem auch nicht mit Hinweisen zu den Mikrotransaktionen gleich ins Gesicht. Es gibt nur einen kleinen Hinweis, wenn das Geld beim Händler für sein Traumauto nicht reichen sollte, dass man ja möglicherweise vielleicht seinGeld gegen inGame-Credits tauschen könnte. Im Gegensatz zum Konkurrenzprodukt auf der Konsole mit dem „X“, muss man Gran Turismo 6 wirklich ein „Lob“ aussprechen, denn wie gesagt: Man kann sich die Fahrzeuge auch auf „natürlichen Weg“ verdienen und sind nicht etwa aus dem Spiel herausgenommen worden und ausschließlich durch Mikrotransaktionen erwerbbar. Man verschafft sich höchsten einen kleinen Zeitvorteil, denn wie gesagt: Im Säcklein herrscht fast ständig Ebbe. Sparen ist kaum möglich, da man seine hart verdienten Credits entweder sofort in Tuningteile investieren muss (oder sollte), oder in neue Fahrzeuge, die man für kommende Events benötigt. Man hätte sich hier vielleicht erwünscht, dass man eventuell mehr Credits bei Rennen verdient, wenn man zum Beispiel auf die diversen Fahrhilfen verzichtet. Für bestandene Meisterschaften gibt es manchmal sogar einen Neuwagen. Dieses Belohnungsmodell gab es zwar auch schon vorher, doch wurde nun die Häufigkeit verringert. Wenn einem der Wagen nicht schmeckt, möchte man ihn vielleicht wieder verkaufen, doch wozu? Die Gebrauchtwagenpreise sind alles andere als lohnenswert, aber so kann man am Ende wenigstens auf eine beachtliche Autosammlung blicken.

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Sammelleidenschaft?
Wo wir grad beim Thema „Autosammlung“ sind: Gran Turismo 6 macht natürlich wieder mit Unmengen Karren auf sich aufmerksam. Über 1200 Modele soll es geben und in der Tat findet man so einige Liebhaberobjekte, wie Oldtimer, sündhaft teure Sportwagen, oder Kuriositäten, wie den Schwimmwagen. Doch schaut man genauer hin, muss man doch wieder feststellen, dass die tatsächliche Anzahl an „verschiedenen“ Fahrzeugen deutlich geringer ausfällt. Gerade im japanischen Automarkt, gibt es Unmengen von Autos, die sich im Prinzip nur in kleinen Details von aneinander unterscheiden. Grundsätzlich sind es dann doch wieder die selben (wenn auch zum Beispiel einmal links und einmal rechtsgesteuert… oder so). Leider vermisst man immer noch, dank fehlenden Lizenzen, dein ein oder anderen Porsche. Wer Fan der deutschen Sportwagenfirma ist, muss wohl doch zu den Produkten von EA greifen. Doch trotz diesen „Mängeln“ gibt es in Gran Turismo nach wie vor die größte Anzahl an Fahrzeugen. Das kann Polyphony mit Fug und Recht behaupten.

Ebenso Umfangreich sind die verfügbaren Strecken. Fehlen dürfen natürlich nicht die Gran Turismo Strecken, die man über die Jahre lieb gewonnen hat. Nun glänzen sie alle in HD und es ist wirklich eine Pracht, sich die Strecken mal bei langsamer Fahrt näher zu betrachten. Neben Stadtkursen wie London, oder Rom, dürfen aber welche Kurse nicht fehlen? Richtig! Lizenstrecken wie Spa, Monza, Bathurst und natürlich: Der Nürburgring! Das i-Tüpfelchen sind natürlich Strecken wie das Matterhorn, oder auch die Goodwood-Rennstrecke. Ja sogar auf dem Mond darf man mal so richtig Staub aufwirbeln!

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Alles neu, was glänzt
Ich muss schon sagen: Gran Turismo 6 sieht einfach sagenhaft gut aus. Nicht nur die Strecken, die beinahe auf den letzten Asphaltbröseln nachgebaut wurden. Auch die Fahrzeuge glänzten noch nie schöner und zeigten auch nie zuvor so viele Details! Dann noch die unglaublich schönen Fahrten in der Dämmerung (wenn man mal längere Events fährt und in den Genuss kommt) und die Wettereffekte? Eine Schau!

Doch ach! Wo es Licht gibt, dort gibt es auch Schatten und in GT6 bedeutet dies Tearing und teils wildes Kantenflimmern, sowie Einbrüche in der Framerate. Und noch immer wirkt Gran Turismo an einigen stellen zu „steril“. Ja, man rast natürlich über den Asphalt und sollte sich von daher auf das Renngeschehen konzentrieren, doch abseits der Strecke würde man sich schon über ein wenig mehr Augenzauber freuen. Aber vielleicht hat die Engine auf der PS3 ohnehin schon viel zu tun, dass für solch Schnickschnack keine Ressourcen mehr übrig sind.

Was allerdings wieder schön ist: Die Physik erhielt ein merkliches Update. So gehen die Fahrzeuge bei Kurvenfahrten nun deutlich „in die Knie“ und beschleunigt man, hebt sich die Front. Insgesamt aber merkt man die verbesserte Fahrphysik, die von Spiel zu Spiel immer realistischer wird. Man muss wohl nicht extra betonen, dass sich natürlich alle Fahrzeuge unterschiedlich verhalten? Sie tun es!

Aber wo ist denn das Schadensmodell hin? Gut, Gran Turismo war nie wirklich bekannt dafür, dass man die Boliden zu Schrott fahren konnte. erst im letzen Teil gab es so was wie ein rudimentäres Schadensmodell, das aber nicht auf allen Fahrzeugen die selbe Wirkung hatte. Und nun? Nichts. Kaum hat man es in Teil 5 eingebaut, wurde es in Teil 6 wieder entfernt. Schrammen mag man vielleicht noch sehen, aber das war’s dann auch schon. Für einen wahren Fahrsimulator, der auch mit Rallyeevents brillieren kann, die man auch ohne mit der Wimper zu zucken aus dem Spiel herausnehmen und als eigenes Spiel verkaufen könnte, gehört es meiner Meinung nach auch irgendwie dazu, dass man auch realistisch Schäden umsetzt. So kann man nun wieder gnadenlos die Bande als „Rutsche“ oder den Vordermann als „Notbremse“ benutzen. Bestraft wird dies ohnehin nicht.

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KI-Eisenbahn
Was man auch noch immer nicht geschafft hat: Eine überzeugende KI! Noch immer drehen die computergesteuerten Fahrzeuge stur ihre Runden. In Teil 6 hat man ihnen ein wenig mehr „Freiraum“ gegeben und so „riskieren“ sie noch zu Anfang eines Wettbewerbs einige „Manöver“, doch im Grunde fahren sie alle brav ihre Runden und halten sich stets an das „KI-Reglement“. Dies sieht im Prinzip immer gleich aus: Zu Beginn kann sich die Führergruppe absetzen, dann gibt es das Mittelfeld, das teilweise als „sich bewegende Straßenblockade“ fungiert und natürlich die „Nachzügler“, die man im Prinzip schon in der ersten Kurve zum Frühstück verspeist.

Bis ungefähr zur letzten Runde hat man es schwer, das Führerduo einzuholen, während man das hartnäckige Mittelfeld stets im Rückspiegel behält, doch urplötzlich scheint es so, als ob den Führenden zum Schluss die Puste ausgeht und so kann es schon des öfteren vorkommen, dass es am Ende stets ein knappes Kopf an Kopf Rennen gibt, bei dem man in der Regel als Sieger hervor geht, sollte man nicht aus Unachtsamkeit kurz ins Gemüsebeet fahren. Die Schwierigkeit der Ki wird im Spiel nur wenig angehoben und wenn, dann nur in Form von schnelleren Fahrzeugen, die mit einem um den Sieg fahren. Das geliebte Gummiband. Man darf hier nur hoffen, dass im siebten Teil, der dann für die PS4 erscheinen soll, auch mehr Rechenleistung für eine realistischere KI übrig ist.

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Rettung Multiplayer?
Wem die KI auf Dauer wirklich zu eintönig wird, der darf … oder muss… sein Können im Multiplayermodus beweisen. Dieser ist allerdings erst verfügbar,wenn man die A-Lizenz erworben hat. Man kann ja auch nicht einen Fahranfänger ins kalte Wasser werfen. Oder so…Hier gibt es sogar einige Features, die man im normalen Spiel nicht unbedingt hat: Reifenabrieb, Benzinverbrauch, ein Schadensmodell und sogar ein fast gutes Strafsystem! Und wer sich vor fremden Fahrern fürchtet, der darf auch zum guten alten Splitscreenmodus greifen, der natürlich auch jede Menge Spaß garantiert.

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Fazit:
Was ich oben im Zuge der Autosammlerei nicht erwähnt hab, ist „Vision GT“. Hier hat man mit namhaften Fahrzeugherstellern wie Mercedes Benz zusammengearbeitet und bietet hier einen wunderbaren Einblick in die Prototypentwicklunf diverser Fahrzeuge. Noch dazu darf man sich selbst virtuell hinter das Steuer klemmen und einige Spzialveranstaltungen absolvieren.

Das Portfolio der verfügbaren Fahrzeuge ist unschlagbar! Und was die Microtransaktionsgeschichte angeht: Nochmals… Ja, man kann sich mit echten Geld sündhaft teure Boliden kaufen. Allerdings hat man dadurch definitiv keinen Vorteil im Spiel und nach wie vor MUSS man nicht kaufen. Hat man das nötige Sitzfleisch, dann kann man sich die Fahrzeuge auch auf ehrliche Art verdienen. Im Gegensatz zu Forza 5 wird der Spieler bei GT6 nicht zwanghaft zur Kasse gebeten (man könnte auch „abgezockt“ sagen“).

Was aber immer noch stört, sind die teilweise krätzigen Motorgeräusche und natürlich das klassische „FUMP!“, wenn man gegen ein anderes Fahrzeug, oder eine Bande fährt. Dafuq? Konnte man das in den 15 Jahren Gran Turismo nicht endlich mal auch irgendwie „realistischer“ gestalten? Und warum gibt es nur im Onlinemodus so etwas wie ein Schadensmodell und frei definierbare Rennen? Und die KI? Die sollte das nächste Mal wirklich verbessert werden. Bitte!

Noch fehlen ein paar Dinge im Spiel, wie etwa ein Streckeneditor, was allerdings später nachgereicht werden soll. Trotzdem ist Gran Turismo 6 immer noch der beste Fahrsimulator, den es auf Konsolen zu kaufen gibt und blickt man kurz zur PS4 rüber, darf man sich schon freuen, was da auf uns zukommen mag!

1 Kommentar

  1. und immer noch kein Schadensmodelle. mit 300 in eine Mauer und der Lack glänzt immer noch perfekt. Absolutes no-go auf einer NextGen Konsole. Da nehm ich mein Game-Boy raus, und hab das gleiche nur keine Farbe 😀

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