Hands-On: Steep (geht steil)

Es wäre wirklich interessant zu wissen, was der gute Luis Trenker zur aktuellen Lage des (Extrem-)Wintersports zu sagen hat, sicher ist nur, dass seinerzeit die Filme, in denen er mitwirkte schon ziemlich extrem waren, bedenkt man den Stand der damaligen Technik. Um so bemerkenswerter sind die schneebedeckten Landschaftsaufnahmen, die mit eindrucksvoll mit den Kameras eingefangen hat. Irgendwie kamen aber Heimatfilme (mit Schnee) etwas aus der Mode, beziehungsweise das plötzliche Gesinge der Akteure trat mehr in den Vordergrund…

…bis einige Jahre später Herr Bogner mit seinem “Fire and Ice” das alte Genre wieder aufgegriffen hat und es mit einer großen Prise Action verfeinerte. Waghalsige Kamerafahrten, extreme Stunts und natürlich abermals extrem faszinierende Schneelandschaften, waren das Resultat. Mit fortschreitender Zeit, wurde natürlich auch das Wintersporterlebnis immer extremer (Technik sei Dank), allerdings auch die Möglichkeit, sich noch extremer die Knochen zu brechen (oder Schlimmeres). Zum Glück gibt es aber Videospiele, mit denen man den eiskalten Winter in hübsch beheizten Räumen genießen kann. Neu ist die Idee natürlich nicht, den Wintersport ins Wohnzimmer zu bringen. Das gute alte SSX gehört wohl zu den besten Genre-Vertretern, aber in den vergangenen Jahren, wurde es leider etwas still.

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Ubisoft erkannt die Zeichen der Zeit und bringt am 2. Dezember nun STEEP auf den Markt. Noch extremer soll es werden, denn man darf nicht nur mit Skiern und Snowboard den Berg runter heizen, sondern auch mit dem Paraglider die wunderhübsch verschneiten Berge von oben betrachten und wer es etwas schneller mag, der darf in einen Wingsuit schlüpfen und mit einem Affenzahn Richtung Boden fallen/gleiten. Hoffentlich hatte man ein langes und erfülltes Leben…

Knapp 17GB (und eine extrem lahme Leitung) später, war die Beta von Steep endlich auf meiner Platte und gleich beim Start darf man unglaublich bezaubernde, schneebedeckte Berge bestaunen. Lensflare-Effekte wohin das Auge sieht. Weißer Schnee, das grelle Sonnenlicht, harte Kontraste; lässt man mal die Kälte aus dem Spiel, so ist der Winter an sich schon ein wunderbares Erlebnis. Dies hat Ubisoft mit Steep schon mal sehr gut eingefangen. Doch Grafik allein ist ja bekanntermaßen nicht alles (auch wenn ich doch ab und zu lange einfach nur die Kamera hin und her schwenkte, da ich mich stellenweise nicht sattsehen konnte). Aber mal zum Spiel…

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Oh-oh, hohe Berge

Bevor es nun richtig losgeht, gibt es zu Beginn eine Art “Tutorial”, das einem die Grundlagen des Spiels näher bringt. Etwas unerwartet war für mich, dass nach dem “Tutorial” ich nicht sofort mit den Missionen fortfahren konnte, da Steep im Hintergrund erstmal irgendwas noch nachinstallierten musste und das obwohl schon besagt 17GB auf der Platte landeten. Die Zwischenzeit nutzte ich aus, um eine Pizza in den Ofen zu schieben.

Erst wenn man alle “Trainingsmissionen” bewältigt hat, öffnet Steep sein wahres “Gesicht”. Stampfte man einst noch alleine durch den Schnee, um sich dan alleine am Hang seine Knochen zu brechen, hat man nun das Vergnügen, mit weiteren lebensmüden Wintersportlern die diversen Wettbewerbe zu bestreiten. Alleine ist ja ganz lustig, aber erst im Multiplayermodus kommt der Wettbewerbsgedanke erst so richtig zur Geltung. Allerdings ist auch die Schande größer, wenn man einen Sprung mit dem Snowboard mal wieder total versemmelt und als Letzter ins Ziel rutscht.

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Das Snowboarden selbst, hat mir von allen Sportarten vermutlich am meisten Spaß bereitet. Wohl weil die Steuerung am zugänglichsten ist (mit den Skiern fuhr ich teilweise immer rückwärts den Hang runter… fast wie im richtigen Leben) und am wenigsten Frust bereitet. Für Wingsuits haben die meisten Pisten zu viele Bäume un dich eine zu lahme Reaktion. Dennoch kommt diese “Sportart” in meinem persönlichen Ranking auf Platz 2 in Steep. Herausragend ist jedoch das Geschwindigkeitsgefühl, das beim Snowboarden aufkommt und man dennoch (zu 90%) die volle Kontrolle behält. Auch Stunts lassen sich sehr gut durchführen. Aber richtig schwummrig wird es einem erst, wenn man in den “GoPro”-Modus (1st Person Ansicht) umschaltet. Die Optik sieht zwar unfassbar gut und un–fucking-fassbar schnell aus, allerdings hatte ich hier mehr Schwierigkeiten, nicht alle 3 Sekunden gegen einen Baum, oder eine Skihütte zu knallen.

Das Fliegen mit dem Wingsuit es ebenfalls ein unglaubliches Geschwindigkeitserlebnis (besonders in der 1st Person Ansicht… die teilweise hier sogar ein Vorteil ist), allerdings ist hier das “Frustpotential” ein wenig höher, denn Punkte sammelt man nur, wenn man möglichst dicht über den Boden dahinsegelt. Und dieser “Boden” hat nun mal eine Menge Hindernisse, an denen man ziemlich schnell kleben bleibt. Anders als beim Snowboarden (oder Ski-Fahren), kann man hier nicht nach einem Sturz wieder auf stehen und weitermachen. Besonders waghalsige Herausforderungen (durch “Löcher” in den Felsen fliegen), werden mitunter zu Geduldsproben. Besonders lustig fand ich auch die Möglichkeit den Start zu versauen… man springt hier einfach nicht in den Tod, sondern in die “falsche Richtung” und legt einen eindrucksvollen Bauchplatscher auf der Start-Plattform hin. Merkwürdig und vielleicht etwas unnötig. Trotzdem macht’s Spaß.

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Etwas beschaulicher geht’s beim Paragliding zu. Auch hier gibt es zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen und man hat auch hier natürlich die Option ein paar “Stunts” hinzulegen, aber eben alles ziemlich… nun… wie mit angezogener Handbremse (vor allem, wenn man den empfohlenen Pfad mit den “beschleunigenden Winden” verlässt und ziellos durch die Gegend zum Ziel gurken möchte. Adios, erster Platz). Aber auch die Langsamkeit hat seinen Vorteil, denn endlich kann man die atemberaubenden Landschaften in Ruhe aus der Luft bestaunen.

Per Übersichtskarte reist man schnell zwischen den verschiedenen Wettbewerben hin und her, bei denen man es hauptsächlich darum geht, nicht nur für seinen eigenen Ruhm Punkte zu sammeln, sondern sich auch das Ansehen bedeutender Sponsoren (zB RedBull) zu verdienen. Nebenbei gibt es auch allerhand Kram freizuschalten (bzw… Eintauschbar gegen Punkte), wie frische Outfits, Sportgeräte, oder “nützliche” Items, wie etwa eine Lampe, oder Kletterhilfen, um auch schwierigere Schneehügel noch überwinden zu können. Allerdings handelt es sich dann doch eher um kosmetische Gimmicks.

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Durchaus ist man in der “offenen” Spielwelt (mit Grenzen) häufig auch per pedes unterwegs. Steep ermuntert einem dazu auch, denn mit Hilfe des Fernglas, soll man weitere Wettbewerbe, oder Orte erspähen und somit freischalten können. Etwas Geduld muss man bei dieser Aktion schon investieren, wenn man wieder mal durch knietiefen, jungfräulichen Schnee wandert. Abseits der Wettbewerbe steht es natürlich einem frei, auch “just for fun” ein wenig die 4 enthaltenen Sportarten auszuüben, oder die Landschaft zu genießen.

Lustig zu erwähnen ist vielleicht noch der G-Force-Meter im Spiel. Nimmt man die Spielfigur zu hart ran (extremer Adrenalinausstoß, “Feindkontakt” mit Felsen, oder anderen Hindernissen), erlebt man etwa selbiges, wie in Shootern, wenn man wieder mal zu viele Kugeln mit dem Körper fängt: Der Bildschirm wird am Rande etwa eingefärbt, Sicht (und Akustik) wird eingeschränkt. Zu viel, und die Spielfigur geht KO.

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Vorläufiges Fazit:

Zwar erfindet Ubisoft mit STEEP nichts Neues, verpackt aber das Thema “Extremwintersport” in ein hübsches Gewand, mit rasanten Erlebnissen, gefährlichen Stunts (ohne jemals die Couch verlassen zu müssen), beeindruckenden Bildern und einen (teilweise) recht ansprechenden Soundtrack. Zumal gab es seit längerer Zeit kein ernstzunehmendes Wintersportspiel und hier füllt Steep eine Lücke. Für alle, die ihre Spielerlebnisse gerne mit der Community teilen, erhalten mit dem Spiel auch ein Füllhorn an Möglichkeiten, nebst Kameravariationen.

STEEP erscheint am 2. Dezember. Das Hands-On basiert auf der aktuellen Beta.

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