Im Test: Dark Souls 3

Der Spiel gewordene Wahnsinn ist wieder da. Dark Souls 3 wartet nur darauf, euch wieder kräftig in den Arsch zu treten. Kaum eine Serie schafft es, eine derartige Achterbahnfahrt der Gefühle auszulösen. Frust, Glücksgefühle, unfassbare Wut (meist wegen der eigenen Inkompetenz), Schmerzen (vor allem in den Fingern, gefolgt von trockenen Augen, weil man es kaum wagt zu blinzeln und einen steifen Nacken) und die unfassbare Freude, wenn man nach einer Ewigkeit endlich einen Boss gekillt hat. Dark Souls 3 hat sich vorgenommen, die Vorgänger, was die Spiellänge und den Umfang angeht, in den Schatten zu stellen. Nun, finden wir es (komplett spoilerfrei) heraus!

Unentfachter sucht 4 Aschefürsten für gemeinsame Stunden am Lagerfeuer


Wer nicht unbedingt auf kitschige Stories steht, der muss sich in der Dark Souls Reihe nicht unbedingt große Gedanken machen, auch jeden letzten Gesprächsfetzen mitzubekommen. Ich will jetzt nicht sagen, dass es überhaupt keine Hintergrundgeschichte gibt, aber um ehrlich zu sein? Who cares? Das „Problem“ bei der Sache ist auch irgendwie, dass From Software auch nicht unbedingt eine ausgeklügelte Erzählstruktur forciert. Es gibt hier und da Storyfetzen, da mal eine nette Hintergrundgeschichte, aber den Großteil, muss man sich irgendwie selbst zusammen reimen. Aber dennoch entsteht eine packende und vor allem düstere Atmosphäre, gewürzt mit einer Wagenladung an Mysterien. Dark Souls bietet aber immerhin die Möglichkeiten, ganz tief in die Abgründe der Story hineinzumachen, für alle, die nicht genug bekommen. Aber wie auch bei bestimmten Männermagazin gilt hier: It’s mainly because of the meat.

In Dark Souls 3 schlüpft man jedenfalls in die Rolle eines „Unentfachten“, ein untotes Wesen in Menschengestalt, dessen Aufgabe es ist, die letzten vier Aschefürsten den Gar aus zu machen. Die Charaktererstellung stellt will die letzte Verschnaufpause dar, bevor man Blut und Wasser schwitzen darf. Zur Auswahl stehen 8 verschiedene Klassen, die einen mehr oder weniger schwierigeren (oder leichten) Spielstart, am Hand der Anfangswerte, garantieren.

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Hier gibt es erstmal gute Neuigkeiten, für alle Harry Potter Fans. Das Magiesystem erhielt ein kleines, aber feines Update. Ein kleiner „Manabalken“ zeigt nun an, wie viele magischen Ladungen man quasi noch zur Verfügung hat. Für Demon’s Souls Fans wiederum nicht unbedingt eine Revolution, die sie das Prinzip bereits kennen, aber für den eingefleischten Dark Souls Magier, eine willkommene und praktische Lösung. Der klassische Nahkämpfer hingegen, bekommt nun ein der Statusleiste seine Skill-Angriffe angezeigt. Auch ganz nett. Einen großen Augenmerk, setzt man auch auf die neuen Waffenmechaniken. Die Grundidee dahinter ist, dass wenn man bestimmte Waffen beidhändig trägt (wie etwa in Bloodborne), erhält man zusätzliche Attacken spendiert, die man ausüben darf. Generell darf man gerne mit der Vielzahl an Waffen und deren ebenso zahlreichen Attribute/Attacken experimentieren, aber um ehrlich zu sein: Ich hab mich darum eigentlich nicht viel gekümmert. Man kommt auch durch, wenn man einer Waffe treu ist, diese beim Schmied aufwerten lässt und für den einen oder anderen Fall seine „Zweitlieblingswaffe“ aus dem Rucksack holt.

Vielleicht liegt es auch daran, dass meine Wahl auf die Assassinen-Klasse fiel. Neben dem klassischen, beinharten und sehr wirkungsvollen Nahkampf, hielt ich meist nicht nur das Schild zur Verteidigung hoch, sondern auch meinen guten alten Zauberstab, mit dem sich teilweise sehr mächtige Attacken, wie etwa magische Pfeile, oder ein magisches Großschwert, ausführen lassen.

Dank eines NPCs, den man im Spiel freischalten kann, hab ich meinen Charakter zum klassischen Pyromancer ausbilden lassen. Da ich doch irgendwie ein Weichei bin, ist für mich der Schwert schwingende Zauberer-Assassine eine gute Mischung. Da die Spielgeschwindigkeit in Dark Souls 3 im Vergleich zum Vorgänger zugenommen hat, fühlen sich aber pure Nahkämpfer pudelwohl. Schwert und Schild sind eure besten Freunde (wie vielleicht auch schon in Bloodborne, auch wenn die Geschwindigkeit hier sogar noch um einiges höher war).

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Alles beim Alten?

Im Prinzip bleibt alles beim. Noch immer sammelt man Seelen ein, die man im Hub gegen ein Levelupgrade, Waffen, oder praktische Items eintauschen darf. Stirbt man, gehen die gesammelten Seelen verloren, was teilweise sehr unangenehm sein kann. Immerhin gibt es eine Chance, sie sich wieder zurückzuholen.

„Menschlichkeit“ heißt nun „Glut“, der Effekt, seinen Charakter (bis zum Tod) zu buffen, ist aber gleichgeblieben. Mit Estus Fläschen stellt man seine Lebensenergie teilweise wieder her, Ashen Fläschchen kümmern sich um die „Mana“-Regeneration und an den hübschen Leichtfeuern darf man rasten, alle Statuswerte wiederherstellen und natürlich reisen. Auch wenn ein paar Dinge wieder mal den Namen gewechselt haben – große Änderungen gibt es nicht, was aber auch nichts Schlechtes bedeuten muss.

Allerdings trifft das auch auf das Leveldesign zu. Vieles erinnert frappierend an Bloodborne und an die Dark Souls Vorgänger. Wieder bedeutet dies nicht, dass das Leveldesign im dritten Teil nachgelassen hat. Abermals findet man (im späteren Teil des Spiels) weite und ziemlich verzweigte und wunderbar gestaltete Areale (man hat die Wahl im Sumpf zu sterben, auf dem Landweg umgenietet zu werden, oder sich erbarmungslos zu Verlaufen, um dann auch hier ebenso erbarmungslos getötet zu werden). Also: Im Prinzip alles beim Alten.

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Ein wenig angestaubt wirken auch die 30fps, die leider nicht immer aufrecht erhalten werden und es so zu vereinzelten Rucklern kommen kann, was vor allem bei hitzigen Gefechten erhebliche, gesundheitliche „Folgeerscheinungen“ nach sich ziehen kann und man so unter Umständen ein paar Sekunden (unnötigerweise) zu früh ins Gras beißt. Wie gesagt: “Unter Umständen“, wirklich schwerwiegende Auswirkungen haben die kleinen Zuckler nur dann, wenn man ohnehin mit Fehlern in den Kampf gegangen ist. So hat man wenigstens eine wunderbare Ausrede. Schön reden sollte man diesen Fehler allerdings nicht und es bleibt zu hoffen, dass man dies mit einem Bugfix noch beheben kann.

Die Bosskämpfe sind allesamt aber wieder hervorragend gelungen. Natürlich kann man hier frustriert den Controller in die Ecke werfen und rumjammern, dass das Spiel eine einzige Aneinanderkettung unfairer Ereignisse ist, auf der anderen Seite, ist man vielleicht einfach nur nicht schnell genug gewesen, oder hat zu falschen Zeit den falschen Knopf gedrückt. Timing und Koordination ist in Dark Souls eben schon immer wichtiger gewesen, als stumpfes Knöpfedrücken. Damit hebt sich die Serie grandios von anderen Genrevertretern ab und genau dies macht Dark Souls (und Co) so unheimlich anspruchsvoll und begeisterungswürdig. Natürlich greifen Bosse teils zu „unfairen Mitteln“, wie etwa Eisattacken, mit denen sie die Ausdauerregeneration unterdrücken, aber irgendwie… oder besser gesagt… irgendwann… besiegt man den Boss dann doch und freut sich, auf Grund der im Überfluss ausgeschütteten Glückshormone, wie ein zuvor hauchdünn geklopftes und danach frisch paniertes Schnitzel, garniert mit einem frischen Sträußchen Petersilie.

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Hat man einen Boss besiegt, so lässt dieser einen Haufen „Boss-Seelen“ fallen. Der gierige Spieler mag diese vielleicht gegen gewöhnliche Seelen verkaufen, um seinen Charakter zu leveln, der weise Spiele jedoch nutzt diese „Extra-Währung“, die man bei einem NPC (den man erst freischalten danach mit einem speziellen Item versorgen muss, damit man überhaupt handeln kann), der sich im Feuerband-Schreins (so heißt das Hub, mit all seinen NPCs) befindet, gegen teilweise recht wirkungsvolle Waffen und Spezial-Items eintauscht.

Ein enormer Beitrag zur allgemeinen, desolaten Stimmung, sorgt die allseits düstere Musikkulisse. Traurig rumort das Cello im Hintergrund vor sich hin, bei Bosskämpfen jedoch, geht es, passend zum Geschehen auf dem Bildschirm, enorm hektisch im Gehörgang zu. Der Soundtrack war (und ist) nicht unbedingt etwas, was man bei der Arbeit, oder auf längeren Autofahrten hören möchte, aber hier im Spiel, peitscht sie nochmals perfekt die Adrenalinproduktion an.

Absolut fantastisch ist (wie immer) die Soundkulisse im eigentlichen Spiel. Hier gibt es keine melodischen Klänge. Die würden nur stören. Viel mehr gibt es den Wind zu hören, der durch die Gassen rauscht, es knarzt die im Baum hängende Leiche vor sich hin und latent hört man immer leichtes Stöhnen gepeinigter Seelen. Was stets durch Mark und Bein geht, ist das Geschrei mancher Bestien, deren Kampfruf durch die Luft schneidet. Die wirren Gebete der „Priester aus der Hölle“ sind so schön wie eine Achterbahnfahrt durch ein Irrenhaus. Die übelsten Gegner in Dark Souls 3 verbreiten schon bevor man sie überhaupt gesehen hat Angst und Schrecken.

Auch wieder mit dabei, ist der Online Modus, mit dem man im besten Fall schwierige Passagen im Koop lösen kann (jetzt auch mit einem Maximum von 6 Spielern), im schlimmsten Fall allerdings, trifft man hier auf totale Arschkrampen, die enorm viel Spaß daran haben, einem das ohnehin schon schwierige Leben als „Unentfachter“ nochmals total zu vermiesen.

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Explore. Die. Repeat.

Hält man sich an diese drei Wörter, kann eigentlich überhaupt nichts schief gehen. Man stirbt ohnehin irgendwann, warum also nicht den letzten Winkel des Levels umkrempeln? In Dark Souls gab es seit jeher unglaublich viel zu entdecken, wenn man nur mal den Mut hatte, die halbwegs sicheren Pfade zu verlassen. Und es gibt wirklich jede Menge Gründe dies zu tun. Nicht nur, weil es hunderte von nützlichen Items gibt (egal ob Seelen, Rüstungsgegenstände, oder auch Edelsteine, mit denen sich Waffen und Schilde aufrüsten lassen), sondern auch weil man ab und an den ein oder anderen redseligen NPC trifft, der nicht nur einen tieferen Einblick in die Story bietet. Manch einer von ihnen, gesellet sich zum Feuerband-Schrein hinzu, um dort ein paar praktische Waren, oder Zauber zu verkaufen.

Dark Souls 3 bietet zudem wieder logisch zusammenhängende Gebiete, die untereinander mit „Abkürzungen“ (die freilich von euch erst einmal „frei gekämpft“ werden müssen) verbunden sind. Die großen Gebiete können so durch weniger „Backtracking“ durchkämmt werden.

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Und sonst?

Hat Dark Souls 3 nun keine Höchstwertung verdient, weil es quasi ein „BestOf“ von Bloodborne und dem Ur-Dark Souls ist? – Nö! Das wäre ja so, also würde man ein gemischtes Eis mit seinen Lieblingssorten ablehnen. Klar, als Fan erhofft man sich, dass man beim nächsten Mal immer eins drauf setzt. Noch verrücktere Level, noch schwerere Gegner, noch mehr Schokostreusel auf dem Eis. Im Grunde aber, ist Dark Souls 3 aber schon fast ein perfektes Spiel. Man nahm Bestandteile, die sowohl in Bloodborne, als auch in den Souls-Spielen gut funktionierten und formte daraus eine wunderbare neue Evolutionsstufe der Serie.

Die Bosskämpfe bleiben trickreich und erfordern ein kleinwenig Geschick und Durchhaltevermögen, die Gegner und das überraschende Leveldesign, kann immer noch als „furchteinflößend“ bezeichnet werden. Die Atmosphäre ist wunderbar desolat, deprimierend und doch so schön…

Dark Souls ist und bleibt die wunderschönste Hassliebe, seit es Rollenspiele gibt!

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6 Kommentare

  1. Danke für den Test! Dieser bestärkt mich nur weiterhin hochmotiviert Abstand von der Reihe zu halten. Ich hab nix gegen den ein oder anderen Frustmoment, Games sollten ja auch fordern, aber ich bevorzuge dann doch eher Titel, die mich nicht mit verbissenem Gesicht den Controller weglegen lassen. Somit vertriebe ich mir bis zur Dead Island Collection weiterhin die Zeit mit Dragon Age.

    1. Naja… man macht halt nach ein paar frustreichen Momenten eine kleine Verschnaufpause und überlegt sich eine andere Strategie. Nach ein paar Mal, hat man sich auch die Angriffsmuster der Gegner (vor allem der Bosse) gemerkt und kommt dann nach und nach schneller voran 😉 Und das Grinden nicht vergessen. Bis zum dritten Boss, hat man mit Sicherheit (je nachdem wie fit man ist) die Story vom letzten Call of Duty 2x durchgezockt ^^ So viele Stunden Spielspaß ^^ Ein glatter Mehrwert 😀

      1. Jedes Spiel hat im Vergleich zu COD nen Mehrwert ^^

  2. Sehr schönes Review. Für mich das beste Souls Spiel vom gameplay her. Wobei natürlich Darl Souls 1 immer noch die meiste Faszination und Bloodborne m.E. das beste Spiel in diesem Stil ist . Hassliebe trifft es gut… Nameless King… drei Stunden… muss man mehr sagen? 🙂

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