Im Test: Dragon Quest Heroes

Erst Ende des Jahres (wenn wir Glück haben), erscheint Dragon Quest Heroes bei uns im Westen für die PS4 im Handel. Aber warum so lange warten, wenn es die japanische Version schon zu kaufen gibt?

Dragon Quest Dynasty Warrior Heroes

Die Story von Dragon Quest Heroes verfrachtet uns ins zauberhafte Königreich Elsarse, in dem Menschen und Monster in Frieden und Harmonie miteinander leben. Nun… „not until the accident“, denn eines plötzlichen Tages erscheint nicht ein mysteriöser Typ mit ziemlich dunkler Aura. Irgendwie muss es in den Gehirnen der einst so friedliebenden Monster klick gemacht haben, denn von nun an ist nicht mehr gut Kirschen essen mit ihnen und schicken sich an, das gesamte Königreich platt zu machen. Doch das dynamische Duo Akuto und Meer, beides hohe Tiere der königlichen Garde, eilen zur Rettung, um die mysteriöse Magie im Keim zu ersticken, damit die einst so lieben Monsterlis wieder zu klaren Verstand kommen. Doch so leicht wird das nicht, denn in Elsarse leben verdammt viele kleine bis… verdammt riesige Monster! Man darf sich schon mal auf ein ziemliches langes Abenteuer gefasst machen, sowie auf schmerzende Finger.

Bei der Entwicklung von Dragon Quest Heroes, haben sich Square Enix, Koei Tecmo und Omega Force zusammengeschlossen, um quasi die Features ihrer Spiele in einem BestOf zu vereinigen. Wer jetzt ein spannendes RPG mit einer tiefgreifenden Story erwartet, wird vermutlich einen Gesichtsausdruck wie Angela Merkel machen, denn Dragon Quest Heroes ist mehr ein Action-RPG, mit der Betonung auf Action (drei Mal unterstrichen). Aber was soll schon dabei rauskommen, wenn man die Dynasty Warrior Typen ans Werk lässt?

Auf in den Kampf!
Auf in den Kampf!

Ich will jetzt hier nicht den Spielverderber machen, aber für Dragon Quest Heroes muss man schon ziemlich gut trainierte Finger haben, um die Monsterhorden „unbeschadet“ zu überstehen. Das Grundprinzip ist im Prinzip das von Dynasty Warrior: Gekämpft wird stets in abgegrenzten Arealen bis zum letzten Mann. Neben normalen Attacken, stehen einem zudem noch Combos zur Verfügung, sowie eine Handvoll Spezialattacken, die allerdings euer Magie Punkte Konto schrumpfen lassen. Oben drauf besitzt jeder Charakter noch einen „Superangriff“, der allerdings erst dann aktiviert werden kann, wenn der Combo-Meter bis zum Rand gefüllt wurde, was unter Umständen und angesichts der Massen an Gegnern, die es in den Arealen gibt, nicht immer all zu lange dauern muss.

Die Monsterklopperei bestreitet man stets in einem 4er Team. Im Spielverlauf gesellen sich nach und nach einige Charaktere hinzu, sodass man am Ende auf ein Duzend Spielfiguren zurück greifen kann. Die Party-Mitglieder dürfen jeweils vor dem Kampf dem Kampfteam zugewiesen werden. Im Spielverlauf selbst, kann man durch Knopfdruck blitzschnell zwischen die Charaktere durchwechseln. Je nach Mission ist es ganz praktisch, wenn man ganz unterschiedliche Charaktere, mit deren ganz eigenen Spezialfähigkeiten, einpackt. Die KI ist eigentlich ganz brauchbar, was die Kämpfe angeht, aber wir toll wäre es gewesen, wenn anstatt der KI vielleicht „echte Spieler“ den einen oder anderen Kämpfer hätte übernehmen können? Ein Wunschtraum, denn einen Mehrspielermodus gibt es leider nicht. Schade eigentlich.

Gegen Ende darf man auf ein Umfangreiches Team zurückgreifen.
Gegen Ende darf man auf ein Umfangreiches Team zurückgreifen.

Teils gibt es einen unendlichen Nachschub an Gegnern, der erst dann abbricht, wenn man den „Portalmeister“ erledigt hat. Krönung der Missionsabschnitte sind natürlich die enorm großen Endbosse, an denen man teils mehrere Minuten seine Finger Wund klopft.

Die Missionen kann man in 3 verschiedene Kategorien einsortieren. Die erste und auch häufigste Kategorie ist der oben erwähnte Kampf bis zum letzten Monster. In der zweiten Kategorie, gilt es nicht nur gegen die unzähligen Monster zu kämpfen, sondern man muss auch ein essentielles Ziel im Level verteidigen (eine Maschine, ein Tor…etc). Die dritte Kategorie ist im Prinzip eine Abwandlung von Kategorie 2. Hier gilt es Personen zum Levelausgang zu eskortieren.

Besiegt Gegner hinterlassen (manchmal) Münzen mit deren Ebenbild. Je nachdem wie groß das betreffende Monster ist, desto mehr Platz nehmen sie in dem dafür eingerichteten Inventar-Slot ein. Aktiviert man diese Münze, beschwört man damit das „eingefangene“ Monster herbei, das einem dann entweder nur einmalig für eine kurze Unterstützung unter die Arme greift, heilt, oder auch bis zum bitteren Ende an eurer Seite kämpft.

Bei der Macht von...
Bei der Macht von…

Gerade letzteres ist ziemlich praktisch, wenn es darum geht, einen bestimmten Punkt zu verteidigen. Man entlässt eine Handvoll Beschwörer Monster, die nun das Ziel bewachen, während man selbst auf der Map die feindlichen Einheiten ausschaltet. Die Lebensenergie der Monster hält freilich nicht „unendlich“ und sinkt bei Feindkontakt, sammelt man aber auf dem Schlachtfeld passende Münzen auf, kann man den Status wieder heilen. Das Monster-Beschwörung-Feature, erweitert Dragon Quest Heroes quasi um ein strategisches Spielelement, das manchmal wohl überlegt eingesetzt werden will.

Um das Monsterplätten ab und an zu erleichtern, findet man bei Bosskämpfen (selten) Geschütztürme mit limitierter Munition, sie sich nach einer Cooldown-Phase aber wieder auffrischt. Allerdings ist man, während man im Geschützturm sitzt, freilich nicht unverwundbar. Bei Attacken, wird man mirnichtsdirnichts sofort daraus rausgeholt.

Bei größeren Maps (später im Spielverlauf), kann man pinke, schwebende Teleportationssteine finden, mittels denen man schnell zwischen den strategisch wichtigen Map-Punkten hin und her bewegen kann. Allerdings müssen diese Steine erst aktiviert werden (man muss also ein Mal hinlaufen) und des weiteren benötigt man einen Abschluss in einem Story-Nebenquest, um diese Fähigkeit überhaupt erstmal zu erlernen.

Verkauft leider keinen BDSM-Kram.
Verkauft leider keinen BDSM-Kram.

Doppelt plagt euch, mengt und mischt! Kessel brodelt, Feuer zischt.

Dragon Quest Heroes wäre sicherlich kein Rollenspiel, wenn man nicht irgendwie mit den in den Missionen aufgegabelten Items irgendwas zusammenbrauen könnte. Gut, dass es in der Missionszentrale hierzu den kleinen „Alchemistenstand“ gibt. Natürlich kann man die gefundenen Items auch alle beim Händler verscherbeln, um noch ein wenig mehr Kohle in der Tasche zu haben, da man auch nicht wirklich gezwungen wird, eigene Items herzustellen. Wer sich allerdings die Zeit nehmen möchte, erhält für seine Charaktere dafür einen (minimalen) Boost für seine Stats. Ich für meinen Teil, ging aber auch den ersten Weg, hab die Items verkauft und mit Stat-Boosts beim Händler direkt gekauft.

Beim netten Händler von Nebenan (mit seiner lieblichen Fetisch-Maske), könnt ihr all euer im Spiel verdientes Geld verpulvern. Dort gibt es Waffen und Schilde in Hülle und Fülle, mit denen ihr eure Charaktere besser für den nächsten Kampf ausrüsten könnt.

Und nicht zu vergessen: Die Erfahrungspunkte. Diese dürft ihr im Skilltree ja nach Gutdünken den verschiedenen, RPG-typischen Eigenschaften zuordnen. Groß nachdenken muss man nicht, denn der Skilltree ist recht minimalistisch gehalten. Komplizierte Verzweigungen gibt es nicht, sodass auch RPG-Neulinge, die so nicht wissen, was hier groß zu tun ist, eigentlich recht schnell zurecht kommen sollten. Allerdings: Da Dragon Quest Heroes ja eher mehr ein Action-RPG ist, sollte sich auch wirklich jeder schnell mit dem Spiel zurechtkommen, da komplizierte RPG-Mechaniken ohnehin nicht vorhanden sind, was aber nicht negativ zu bewerten ist, sonder mehr oder weniger ein großes Plus ist.

Der "Skilltree"
Der „Skilltree“

Och, du bist aber ein süßes Monst…AaarRRARgg!

Eins muss man den Charakter-Designern lassen. Was die Monster angeht, so haben sie bei Dragon Quest Heroes wirklich eine ausgezeichnete Arbeit geleistet. Nicht, weil etwa die Varianz größer ist, als in den üblichen Rollenspielen, sondern… nun… einerseits sollen Monster ja im Prinzip Furcht einflößen. Wer allerdings fürchtet sich aber bitte vor unheimlich großen… und putzigen Drachen? Oder große, tapsige Oger, bei denen anscheinend die Lippen-OP etwas schief gelaufen ist? Oder…oder… diese putzigen kleinen Schleim-Dinger mit ihren goldigen Augen? Zombies… auch Zombies gibt es, die allerdings her aussehen, wie ich, wenn ich ohne Koffein noch total verschlafen ins Bad wanke (was im Prinzip ja das selbe ist). Besonders wendig ist auch die Ritter, die auf ihren schrecklichen… Hüpfbällen auf einen zu…öh…hoppeln. Natürlich sind jetzt nicht alle Monster putzig. All jene, die richtig viel Schaden austeilen können, wie etwa der große Blechroboter mit seinen Feuerattacken, sehen auch schon dementsprechend finster aus.

Insgesamt hat man sich aber mit dem Charakter-Design jede Menge Mühe gegeben, was man hauptsächlich natürlich an den spielbaren Charakteren sieht. Alle sehen so aus, als seien sie einem hochklassigen Anime entsprungen. Keine platte Mimik, man sieht den Charakteren (zumindest in den Zwischensequenzen) ihre aktuelle Stimmung wirklich sehr gut an.

I have seen too much hentai to know what's gonna happen next.
I have seen too much hentai to know what’s gonna happen next.

Der hohe Grad an Details besteht allerdings wirklich auch nur in den Zwischensequenzen. Ich will jetzt nicht sagen, dass das Spielgeschehen schlecht aussieht, aber man vermisst (gerade in den Aussenlevels) dann doch den Anspruch, den eine PS4-Version hätte liefern können. Vermutlich liegt es aber auch daran, dass es auch eine PS3-Version*1 des Spiels gibt und man bei der Entwicklung darauf ein wenig „Rücksicht“ genommen hat. Vermutlich wäre bei einer reinen PS4-Entwicklung mehr drinnen gewesen, wobei das jetzt Jammern auf hohem Niveau ist, da die Grafik einen wirklich soliden Eindruck macht und in vollen 1080p erstrahlt (nur nur wirklich sehr sehr selten sehr kurz stottert).

Wirklich ausgezeichnet ist das VoiceOver des Spiels gelungen (wenn auch nur in japanisch bisher). Es macht wirklich eine Freude, den Dialogen zuzuhören (wobei diese nur in den Zwischensequenzen existieren. Ansonsten erfolgen Dialoge mittels Textboxen, ohne VoiceOver), oder den kurzen, teils ziemlich witzigen Kommentaren, die die Charaktere während des Kampfes von sich lassen („Huh! Hier geht’s ziemlich tief runter!“ – „Zeit um über Bungiejumping als Hobby nachzudenken!“ // es gibt im späteren Verlauf Level, bei denen man tatsächlich in den Abgrund stürzen kann, allerdings auch die Gegner, was bei einem sehr speziellen Bisskampf sehr sehr (doppelt Unterstrichen) nützlich sein kann). Auch die Musik des Spiels kann sich hören lassen.

Die fliegende Basis.
Die fliegende Basis.

Langzeitmotivation

Dragon Quest Heroes ist jetzt nicht unbedingt ein Spiel, durch das man durch rushen sollte, schon allein wegen der wirklich bezaubernden Zwischensequenzen. Wer sich wirklich aber nur auf die Hauptstory konzentrieren möchte, der benötigt mindestens 20 Stunden (je nachdem wie flott man auch mit der japanischen Sprache umgehen kann). Bei 20 Stunden ist allerdings noch lange nicht Schluss, denn es warten enorm viele Nebenquests und Arena-Kämpfe, mit denen man die Spielzeit locker auf über 50 Stunden und mehr hinausziehen kann (ich selbst hab auch noch nicht alle Nebenquasts erfüllt). Darüber hinaus gibt es in den ersten 5 Wochen nach Release pro Woche noch zusätzlichen, kostenlosen(!) DLC, der das Spiel nochmals um ein paar Quests (die auch die Hintergrundgeschichten der jeweiligen „Hauptcharaktere“ der betreffenden DLCs beleuchten) erweitert. Und damit endet der Support des Spiels noch lange nicht.

Interessant wird es, wie groß der Umfang der EU-Version sein wird, wenn diese dann irgendwann Ende des Jahres erscheint. Möglicherweise werden dann alle bis dahin veröffentlichten Inhalte verfügbar sein.

Auch Elrond hat 'ne Nebenrolle.
Auch Elrond hat ’ne Nebenrolle.

Fazit?

Ob sich jetzt schon der Import lohnt, lässt sich im Prinzip schnell beantworten: Kannst du japanisch? Dann ja. Du kannst kein japanisch, und willst einfach nur Monster kloppen? Nun…ja, aber dann verpasst man die wirklich putzige Story und sollte von daher auf die lokalisierte Version des Spiels warten.

Insgesamt hat mir Dragon Quest Heroes wirklich sehr viel Freude bereitet und das obwohl ich nicht der größte Dynasty Warriors Fan auf Erden bin. Wer sich also nicht vor endlosen Monstergekloppe fürchtet und auch dazwischen sich mit hervorragenden Zwischensequenzen seinen Fingern die wohl verdiente Pause gönnen möchte, darf bedenkenlos zugreifen. Zumal bietet Dragon Quest Heroes auch einen Ticken mehr Strategie als Dynasty Warriors und somit vielleicht auch ein wenig dynamischere Kämpfe. Leider gibt es keinen Koop-Modus, wobei das Spiel hierfür prädestiniert gewesen wäre.

1: Die PS3-Version von Dragon Quest Heroes ist ausschließlich in Japan erhältlich. Im Westen wird lediglich die PS4-Version erscheinen.

8 Kommentare

  1. Sebastian Eckart sagt: Antworten

    Wie ich schon bei Herzleiden Warriors sagte wo ist dass noch Zelda wenn man die Charaktere wegglässt so genauso hier wo ist das noch Dragon quest vorallem Quest im Namen aber stumpfes hack n slay nee das wird definitiv niemals gekauft noch nicht mal als ps plus gratis Ding geladen

  2. Also ich habe es mir von Play Asia bestellt und es ist heute angekommen.

    Da das Wetter so bombig ist, werde ich erst heute Abend damit anfangen.

    Jedenfalls freue ich mich sehr.

    Ich habe schon öfters Japanische Spiele gespielt, wie z.B Monster Hunter oder Shenmue etc und bislang konnte ich mich immer durch beissen 🙂

    Es gibt für DQ Heroes von Shonengamez einen Übersetzungs Guide, der alle Menüs erklärt, das macht alles noch einfacher 🙂

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