Action, Review

Operation Flashpoint 2 – Review

logo

Der 22. Juni 2001 ist vielen Taktik-Fans im Gedächtnis geblieben, denn damals erschien das brilliante Operation Flashpoint für den Pc. Der Titel gilt auch noch heute als Meilenstein, in der Militär-Simulation.

Operation-Flaschpoint-2-Dragon-Rising-1-256x256

8 Jahre später erscheint nun mit Operation Flashpoint – Dragon Rising der legitime Nachfolger dieses Meilensteins auch für Konsolen und schickt sich an, die Krone der Militärsimulationen zu ergreifen. Warum das nicht geklappt hat und welche Hindernisse dieser “Simulation” im Wege standen, lest ihr in unserer Review…

Operation Flashpoint – Dragon Rising schickt euch nach einem stilisierten Intro direkt in den fiktiven Konflikt zwischen Russland und China. Als Amerikaner sollt ihr euch gegen eine Chinesische Streitmacht behaupten, die sich die Insel Skira gewaltsam angeeignet hat.  Euer Ziel ist dabei denkbar einfach, ihr sollt die Aggresoren von der lauschigen Insel verbannen.

Das ihr mit Diplomatie dabei nicht weit kommt, wird recht schnell klar! Wer jedoch nun einen “Run & Gun” Shooter á la Call of Duty erwartet, muss umdenken:  Operation Flashpoint 2 spielt sich deutlich langsamer und taktischer als vergleichbare Shooter.

Anstatt von Skript Ereignis zu Skript Ereignis zu flitzen, geht es deutlich gemächlicher zu. Ihr klappert, meistens zu Fuß, mehrere Wegpunkte zu eurem Ziel ab oder sucht euch eure Route dorthin selber. Die Missionspallete reicht dabei von Stealth Einsätzen, über großflächige Angriffe bis hin zu Fahrzeugmissionen. Mit dabei ist permanent eurer Squad, dem ihr mittels eines, ziemlich umfangreichen, Ringmenüs Befehle erteilen könnt.

Und genau hier fangen auch die Probleme an, denn eure Mannen sind komplette Volldeppen: Anstatt eure Befehle zu befolgen, bleiben sie lieber in der Botanik stecken, hören nicht auf eure Hilferufe, oder weigern sich auf den Feind zu schießen. Gerade wenn ihr aufgrund der K.I Fehler eine Mission in den Sand setzt, schlägt der Ärger schnell in Frust um. Gelegentlich agieren eure Leute aber auch recht zuverlässig, dies ist jedoch eher  Ausnahme als  Regel.

Auch die Präsentation der Kampagne fällt dürftig aus, ihr verkörpert gesichtslose Soldaten in einem gesichtslosen Krieg. Abgesehen vom Intro fehlt dem Szenario jegliche Geschichte, eine echte Identifizierung mit euren Kameraden oder den Feinden bleibt aus. Die Einsätze selber spielen sich, wenn die K.I funktioniert, größtenteils recht spannend, sind aber unspektakulär inszeniert. Dennoch stimmt die Atmosphäre, wenn ihr euch im Dunkeln durch einen Wald schleicht, um einen gegnerischen Offizier auszuknipsen. In solchen Momenten zeigt sich die Brillianz des Orginals. Wir hätten uns aber gerne durch eine echte Geschichte gekämpft – hier wurde viel Potential verschenkt!

Neben der rund 6-8 Stündigen Kampagne, bietet euch das Spiel 8 zusätzliche Missionen, die ihr in Angriff nehmen könnt. Daneben wartet noch der recht spaßige Coop Modus, indem ihr die Kampagne mit bis zu 3 Freunden durchspielen könnt. Wer lieber gegen andere kämpft kann sich in Capture the Flag oder Deathmatches mit bis zu 8 Spielern werfen. Leider krankt der Multiplayer derzeit noch an Verbindungs- und Loginproblemen und ist somit quasi unspielbar.

3

Wer sich noch an das Ur-Operation Flashpoint erinnert, dem wird sicher der riesige Fuhrpark einfallen, den das Spiel damals zu bieten hatte. In dieser Hinsicht enttäuscht Operation Flashpoint 2 maßlos:

Was es im ersten Teil noch möglich nahezu jedes Fahrzeug, zivile (Träcker, Trabbis) wie militärische, zu steuern, beschränkt sich die Auswahl in hier auf eine handvoll militärische Vehikel und auch nur dann wenn die Mission es vorsieht.

So sind wir in nur 2 von 11 Missionen mit einem Humvee gefahren, einen Helikopter kann man sogar nur in der letzten Mission steuern. Ein Grund für die raren Fahrzeuge, könnte vielleicht die leicht verhunzte Handhabung der Dinger sein. Zwar geht die Fahrphysik in Ordnung, doch gerade bei den Jeeps nervt die statische Third-Person Kamera, die sich nicht um das Fahrzeug drehen lässt, wie man es etwa aus GTA gewohnt ist. Das Resultat ist, dass man sehr schlecht einsehen kann wohin man lenkt, da sich die Kamera zu langsam dreht – die Folge sind ärgerliche Unfälle.

Das Operation Flashpoint Dragon Rising dennoch stellenweise viel Spaß macht, liegt an den fordernden Kämpfen. Im Gegensatz zu anderen Spielen, laufen die Gefechte über größere Distanzen ab, gegen einen Feind den man aufgrund seiner Tarnung kaum sieht. Auch die K.I der Gegner sorgt dafür, dass die Gefechte spannend sind, da sie sich, im Gegensatz zu euren Kollegen, recht schlau verhält und immer anders agiert.

Gerade Einsätze bei Nacht treiben euren Adrenalin Spiegel nach oben, da sich hinter jedem Baum oder Strauch der Feind verstecken könnte. Wenn dann ein von euch geplantes Mannöver perfekt abläuft und ihr den Feind, trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit ausschaltet, stimmt der Spielspaß dann auch.

1

Grafisch ist Operation Flashpoint 2 durchwachsen, detailarme Texturen und Models dominieren den Spielablauf. Codemasters musste die hauseigene EGO Engine, die zuletzt noch in Dirt 2 für Staunen sorgte, offenbar gehörig runterschrauben, damit sie die riesige Insel Skira simulieren kann. So habt ihr zwar eine üppige Vegetaion und teils sehr schöne Lichtstimmungen, doch diese erkauft sich die Engine mit permanent aufploppenden Objekten und genereller Detailarmut.

So habt ihr stets einen wachsenden Gras-Teppich vor euch, da das Spiel die Gräser ab einer bestimmten Entfernung einfach ausblendet. Weit entfernte Gegner, die eigentlich im Gras liegen sollten, sind so ein leichtes Ziel, da die komplette Vegetaion am Boden in der Ferne ausgeblendet wird. Auch die Innenräume der umliegenden Häuser sind komplett leer, Möbel brauchen die Leute auf Skira wohl nicht. Die Umgebungen wirken somit stellenweise klinisch tod. Dafür läuft der Titel erfreulich flüssig über den Bildschirm.

Sicherlich wird in Operation Flashpoint eine riesige Insel simuliert, spielerisch ist dies aber bedeutungslos, da ihr euch sowieso nur im Missionsbereich aufhaltet und Wegpunkte abklappert. Eine offene Welt wie in FarCry 2, oder Fallout sucht ihr hier vergebens, ausserhalb des Missionsradius grassiert gähnende Leere…

Im Gegensatz zur Grafik ist der Sound im Spiel recht gut gelungen. Die Waffen klingen authenthisch und schöne Soundeffekte lassen wirklich Kriegsstimmung aufkommen. Bei Querschlägern zieht ihr unweigerlich den Kopf ein Panzer donnern beeindruckend ihre Ladung in Richtung Feind. Leidglich die deutsche Synchronisation fällt dagegen etwas ab.

Trotz aller Komplexität, ist die Steuerung zu Fuß ebenfalls gut, auch wenn das Befehlsmenü etwas überfrachtet ist. Habt ihr euch erstmal mit der Steuerung angefreundet, geht sie gut von der Hand. Leider lässt sich die Steuerung nicht personalisieren, so häten wir uns doch gerne gewünscht mit R1 anstatt mit R2 zu schießen. Sobald ihr jedoch in ein Fahrzeug einsteigt, offenbart sich eine große Kamera- Tücke: Da ihr die Kamera in der Third-Person Sicht nicht frei bewegen könnt, seht ihr stellenweise nicht wo ihr lang fahrt.

2

Operation Flashpoint – Dragon Rising ist bei weitem kein schlechtes Spiel, jedoch bietet es durch die trottelige K.I und den stark schwankenden Schwierigkeitsgrad enormes Frustpotential, welches mit ein paar Monaten zusätzlicher Entwicklungszeit sicherlich vermieden hätte werden können. Auch der Multiplayerpart könnte ein echter Spaßgarant sein, wenn er stabil laufen würde. Es hakt einfach an zuvielen Stellen.

Das ist besonders schade, da in den wenigen Momenten, in denen alles perfekt funktioniert, die alte Brillianz durchschimmert, die den ersten Teil so einmalig gemacht hat. Operation Flashpoint 2 ist ein Spiel der verschenkten Chancen und hat damit leider die Chance verwirkt den Vorgänger abzulösen.

Frustresistente Taktik-Fans können zugreifen. Alle anderen -   Erst Probespielen!
Avater´s Wertung 6.5/10

daumen50

avater

27 Kommentare

möchtest du einen kommentar abgeben?

Gib deinen Kommentar ab, oder setze einen trackback.

Die Kommentare kann man auch abonnieren.

Bleib sachlich und sauber und spamme nicht!

Erlaubte tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

*wird benötigt